20. December 2007: Krimi ohne Mimi

Das Telefon klingelt aufgeregt. Die Frau ruft an. Bevor das Gespr├Ąch angenommen wird, f├Ąllt der Blick auf das Symbol f├╝r verpasste Anrufe. Es scheint nicht zum ersten Mal zu klingeln. Die Worten flie├čen schnell, mit einem leicht entsetzt geschockten Unterton. “Ausgeraubt” kommt darin vor. Und “K├╝che”. Von der Polizei ist die Rede. Und einem dreisten Handwerker. Doch was ist geschehen? Mit ein wenig Abstand l├Ąsst sich folgendes rekonstruieren.

Es ist Samstag-Abend und der Nachbar unseres neuen Hauses feiert eine Party. Bis in die Nacht hinein, f├╝nf oder sechs Uhr morgens. Nachdem die Party vorbei ist, versperrt er seine T├╝ren – ihm f├Ąllt auf unserem Grundst├╝ck nichts weiter auf. Am n├Ąchsten Morgen (oder eher Mittag) jedoch f├Ąllt ihm auf, dass die Hintert├╝r unseres Hauses aufsteht. Er denkt sich dabei jedoch nichts weiter.

Sonntag-Nachmittags dann statten Bekannte von uns unserem Haus den t├Ąglichen Besuch ab um nach zuschauen ob alles in Ordnung ist. Ist es nicht. Die T├╝ren sind nicht mehr verschlossen und in der K├╝che fehlen s├Ąmtliche Ger├Ąte: Herd, Mikrowelle, Geschirrsp├╝ler und K├╝hlschrank sind ordentlich ausgebaut worden und verschwunden. An ihrer statt klaffen jetzt offene L├╝cken in der K├╝che. Allein der Ofen ist noch da – vermutlich wusste jemand nicht wie man den ausbauen muss. Ein Koffer aus einem der Schlafzimmer fehlt ebenfalls.

Als die Polizei eintrifft ist es schon Abend. Genauer untersuchen wollen sie den Vorfall jedoch nicht; weil die Hausbesitzer nicht da sind. Sie schauen sich jedoch die T├╝ren an und sagen, dass niemand eingebrochen sei – zwar finden sich Spuren eines Brecheisens an der Hintert├╝r, damit sei sie jedoch nicht ge├Âffnet worden. Der Einbrecher muss demnach einen Schl├╝ssel gehabt haben. Und da er sich die Zeit genommen hat die K├╝chenger├Ąte sorgf├Ąltig auszubauen und den K├╝hlschrank, der ohne ihn anzuheben und zu kippen gar nicht aus der K├╝che heraus gewuchtet werden kann, mitzunehmen, muss er auch gewusst haben das wir l├Ąngere Zeit nicht da sein w├╝rden.

Montag-Nachmittags in Deutschland. Meine Frau bekommt den Anruf von unseren Bekannten das bei uns eingebrochen wurde. Wer alles einen Schl├╝ssel h├Ątte, wird sie gefragt. Die Antwort: Unsere Bekannten selbst, die nach dem Haus schauen sollen, und der Handwerker, der das Dach reparieren soll. Niemand sonst, da wir die Schl├Âsser erst vor zwei Wochen haben austauschen lassen. Der Handwerker wird angerufen.

Er sagt zu unserem Bekannten, er sei in dem Haus gewesen um sich alles noch mal anzuschauen. Das Eingebrochen wurde scheint ihn nicht zu wundern. Das er nicht wieder zur├╝ckkommen braucht um das Dach zu machen auch nicht. Au├čerdem meint er, dass es dann wohl der Vormieter war, der ja schlie├člich auch noch einige Sachen im Wohnzimmer stehen habe. Der Vormieter hat jedoch gar keinen Schl├╝ssel mehr – zumal die Schl├Âsser in der Zwischenzeit ausgetauscht wurden. Ein Anruf beim Cousin des Handwerkers (jemand, der mit meiner Frau zusammenarbeitet und auch den Kontakt hergestellt hat) l├Âste Entsetzen aus. Ihm (dem Cousin) wiederum wurde gesagt, dass er (der Handwerker) noch gar nicht wieder in dem Haus gewesen sei.

Anschlie├čend haben wir noch die Polizei in Miami angerufen. Die Crime Scene Investigation Unit (ja, das ist der CSI-Miami) ist daraufhin zu unserem Haus gefahren, hat jedoch nichts weiter feststellen k├Ânnen. Ein Detective wird sich der Sache jetzt annehmen.