8. November 2009: LPIC vs MCTS
Nach meiner erfolgreichen LPIC habe ich mich dem MCTS zugewandt. Ziel ist zwar eine MCP-Zertifizierung, aber auf dem Weg dahin hat Bill zwei Vor-Zertifizierungen gestellt. Angefangen habe ich mit dem 70-642, da es einige Teile dessen enthält, die ich erst kürzlich für die LPIC gelernt habe. Interessant sind dabei die Unterschiede zwischen beiden Ansätzen. Hier ein paar Exemplare.
- Bei Microsoft ist der Ansatz für TCP/IP ein wenig anders. IP-Adressen werden hier in Netzwerk- und Host-IDs aufgeteilt. Derlei Terminologie fehlte bei Linux komplett – zumindest was den Host-Teil betrifft, die Netzwerk-Adresse wurde in einem etwas anderen Kontext benutzt. Allerdings ist es eine gute Grundlage für die CIDR-Notation (die übrigens die klassische Aufteilung in A-, B- und C-Netzwerke abgelöst hat, wie ich nun weiß), wenn die Definition denn auch beim Subnetting noch um die Subnet-ID erweitert werden muss.
- IPv6 war beim LPIC kein Thema. Der MCTS wird hier konkret. Im Allgemeinem kann man sagen, dass der MCTS in Sachen Netzwerk wesentlich detaillierter ist (was allerdings auch in der Natur der Sache liegt).
- Für das LPIC reicht es den Befehl zu kennen – Hilfe-Funktionen und manpages helfen einem bei den Parametern schließlich weiter. Das MCTS legt allerdings wert darauf, dass Kandidaten wissen das
start /w ocsetup DNS-Server-Core-Roleden DNS-Serverdienst installiert. - Dafür gibt es für die Microsoft-Prüfungen offene Prüf-Testprogramme. Ähnlich wie für den theoretischen Teil der Führerscheinprüfung (die ich hauptsächlich dich das auswendig-lernen der Fragen gemeistert habe).
- Der gravierenste Unterschied jedoch: Sind beim LPIC Gewichtung der Themengebiete und Mindestmaß für eine erfolgreiche Zertifizierung offen gelegt, hüllt sich Microsoft hier in schweigen. In dem mitgelieferten Test-Fragen hatte ich öfters 76% – und bin damit durchgefallen.
Am besten gefällt mir jedoch die mitgelieferte Test-Umgebung. Einfach ein paar virtuelle Maschinen mit Windows Server 2008 bestücken (die 8GB RAM lohnen sich auch hierbei) und die Praxis-Aufgaben im Buch mitmachen. Das klappt nicht nur super um das soeben gelernte zu verfestigen, sondern macht auch noch Spaß!
Unschön am Buch hingegen: Es gibt Kapitel in denen erst Gemacht und anschließend Erklärt wird. Man richtet also zum Beispiel erst eine Health Requirement Policy ein und bekommt dann anschließend erklärt was das eigentlich ist, woraus sie besteht und was sie macht – bekommt also das, was man zuvor getan hat erklärt. Umgekehrt ist es wesentlich verständlicher. In den Auflösungen zu (mindestens einer) Testfrage ist im übrigen auch eine falsche Antwort genannt (DHCP-Option 015 ist nunmal nicht der Router).
Im Allgemeinen ist es schon sehr schockierend / amüsant (je nachdem, auf welcher Seite man steht), wie oft man in den Übungen die Server der Test-Umgebung neu starten soll. IPv6 deaktiviert? Server neu starten. NetBIOS aktiviert? Server neu starten. Nicht, dass man das wirklich müsste – abgesehen von etwaigem merkwürdigen Verhalten bei der Namensauflösung – aber was soll man davon halten wenn dieses Vorgehen konsequent in den offiziellen Microsoft-Büchern beschrieben ist? Die Ausführungen über die Notwendigkeit einer Network Access Protection seien besser erst garnicht erwähnt.

Kommentieren