3. April 2007: Adieu WoW

Fast zwei Monate ist es nun her, dass ich meine Abschied eingereicht habe. Schon zu der Zeit war es eine wohl überlegte Entscheidung, habe ich doch in den zwei Monaten zuvor effektiv gar nicht mehr gespielt. Und erst jetzt denke ich genau sagen zu können warum ich eigentlich so plötzlich keine Lust mehr an dem Spiel hatte, das ich in den anderthalb Jahren zuvor so intensiv gespielt habe (einer kurzen Überschlagung nach waren es im Schnitt sieben Stunden pro Tag).

Würde ich Eindruck schinden wollen, könnte ich glatt behaupten ich hätte eingesehen dass ich süchtig war. Dass das Spiel meinen Tagesablauf bestimmte und ich meine Wochenendplanungen nach den Raid-Terminen ausrichtete. Doch das wäre gelogen. Nicht der Teil mit der Freizeitplanung, sondern der mit dem Einsehen. Auf der anderen Seite könnte ich es mir auch einfach machen und sagen ich hätte eine schönere Seite des Lebens entdeckt, die meine Aufmerksamkeit erfordert. Das stimmt zwar und ist von der Sache her auch durchaus richtig, aber es ist auch nicht der Grund, aus dem ich die Entscheidung getroffen habe. Die dritte Option wäre es ein anderes Spiel anzuführen, für das es langsam Zeit sei. Aber weder gab es zu der Zeit ein anderes Spiel, noch kam es mir in den Sinn das es ein guter Zeitpunkt zum Wechsel wäre.

Lord of the Rings Online

WoW selbst war es, das mich davon abgebracht hat WoW auch weiterhin zu spielen. MMORPG haben nämlich eine gewaltigen Nachteil gegenüber Single-Player Spielen, der zugleich auch ihren Suchtfaktor mitbestimmt: Die unendlichen Möglichkeiten und Ziele innerhalb des Spiels. Es gibt so wahnsinnig viele Ziele, die man sich selbst in einem Spiel wie WoW setzen kann, dass man sie niemals alle erreichen können wird. Ich für meinen Teil habe schon im November letzten Jahres eingesehen das ich einige meiner Ziele – nämlich ein Item aus Instanz A, ein weiteres aus Instanz B und schlussletztendlich Instanz C komplett gemeistert zu haben und vielleicht auch noch das ein oder anderen Item dort mitzunehmen, – nicht werde erreichen können. Dies lag mitnichten an der Motivation der Raidgemeinschaft oder dem Stimmung in der Gilde, auch wenn es da so manches Mal Zoff gab. Es lag vielmehr an der Strategie Blizzards und den Zeitpunkten der Content-Patches und der Erweiterung. Im Pre-Burning Crusade-Endgame gab es einfach zu viele Instanzen, die noch unsere Aufmerksamkeit erforderten, als das wir auch nur annähernd zu BC mit diesen hätten abschließen können. Und, das muss ich wohl zugeben, ich spiele ein Spiel tatsächlich auch der Inhalte wegen und hätte liebend gerne auch die letzte Instanz in all ihren Facetten gesehen und gemeistert.

Und dann kam Burning Crusade, das lange erwartete Add-On. Alles, was man sich zuvor erarbeitete hatte, war mit einem Schlag nichts mehr wert. Der Charakter, der sich zuvor ein recht ansehnliches Equipment erarbeitet hatte, stand wieder wie ein Anfänger vor neuen Gegenden und durfte effektiv wieder von vorne anfangen. Was für Gelegenheitsspieler eine Chance ist wieder den Anschluss an die Raid-Gilden zu finden, stellte für mich einen Frustfaktor dar. Und so kamen fehlende Motivation angesichts der noch nicht erreichten Pre-BC Ziele und Frust seitens BC zusammen. Bis zur Entscheidung dann konsequent mit WoW aufzuhören war es also nur noch ein kleiner Schritt.

Damit möchte ich jedoch nicht das schmälern, was ich in all den unzähligen Stunden (137d Play-Time) mit meiner Gilde erreicht habe. Wir hatten eine Menge Spaß und gehörten durchaus zu den respektierten Leuten auf unserem Realm. Es war eine tolle Zeit und ich habe auch einige sehr nette Leute kennen lernen dürfen.

World of Warcraft

In diesem Sinne noch mal: Macht’s gut. Und Danke für den Fisch!