3. June 2007: ...eine Reise tut...

14:24 – Miami
Anderthalb Tage Miami. Gesehen habe ich nicht viel, aber deswegen bin ich ja auch nicht hier. Heute nun geht es also weiter nach Las Vegas. Nachdem der Vormittag daraus bestand endlich mal wieder auszuschlafen und die Koffer für die Weiterreise zu packen (nicht meiner, den habe ich erst garnicht ausgepackt), geht es jetzt also weitere drei Zeitzonen gen Westen.

16:32 – irgendwo über Florida
Airborne. Endlich! Die gute Nachricht dabei ist, dass ich jetzt vier Stunden Zeit habe mich von den letzten zwei Stunden zu erholen. Warum? Schauen wir mal zurück: Circa zehn Minuten nach dem letzten Eintrag sind wir am Flughafen angekommen, jedenfalls standen wir gegen 14:40 am Schalter – was ja eigentlich auch kein Problem wäre, wenn der Flug nicht um 15:30 gehen und um 14:45 der Check-In geschlossen würde. Nun, wir haben es also dennoch geschafft rechtzeitig dort zu sein. Beim Sicherheits-Check sind wir dann auch ein wenig bevorzugt behandelt worden, so das wir uns schon kurze Zeit später auf den Weg zu unserem Gate machen konnten. Die damit verbundenen 15 Minuten Schlange-Stehen sprechen somit im Vergleich der anderen Flughäfen auch eine klare Sprache. Wie auch immer, der Weg zum Gate war demnach eher sportlicher Natur. Im straffen Gang sind wir die diversen Gänge des Flughafens abgelaufen – immer Gate A35 entgegen. Für den kleinen Jeremy muss es ein kleiner Marathon gewesen sein, sind seine Beine mit drei Jahren doch noch ein wenig kürzer als die unseren. So sind wir denn auch recht zügig an Gate A angekommen. Aber leider gab es kein Gate A35. Warum eigentlich? Ein weiterer Blick auf die Tickets offenbarte es: Wir waren am falschen Gate! Und als ob das Schicksal Murphy ein weiteres mal bestätigen wollte, mussten wir ausgerechnet zu Gate E5 – der so ziemlich am anderen Ende des Terminals ist. Also das Kind in den Buggy gesetzt, die Taschen geschultert und denselben Weg, den wir gerade im Schnellgang abgelaufen haben nochmal in umgekehrter Reihenfolge abgerannt. Ein wenig peinlich war es ja schon, vor allem bei jenen Leuten, die uns vorhin entgegen gekommen sind. Aber was will man machen? Um 15:20, also nach ziemlich genau 15 Minuten für die Leibesertüchtigung, sind wir dann endlich am richtigen Gate angekommen. Alles war gut. Alles? Jedenfalls abgesehen von dem kleinen Detail das uns die Dame am Schalter enthüllte: Wir seien zu spät, unsere Sitze bereits an andere Passagiere vergeben und wir würden jetzt auf den Nachmittags-Flug umgebucht. Das also ist die berühmt Kunden-Orientierung der USA. Mein neuer kroatischer Bekannter hatte es mir ja bereits gesagt: Solange sie Geld von einem wollen sind sie alle nett und zuvorkommend – aber wenn man dann bezahlt hat interessiert sich niemand mehr für einen. Und so hat auch alles mosern nichts geholfen, die Dame wollte uns kategorisch nicht in das Flugzeug lassen. Ein Steward aus dem Flugzeug jedoch hatte sich netter Weise um den Ruf der Airline (übrigens American Airlines) bemüht und den Stand-By Passagier gefragt ob er uns wieder Platz machen würde. Das hat der gute Mann dann auch und so mussten wir lediglich mit der Schmach leben als letzte in das Flugzeug zu kommen (wer mal wissen möchte wie es sich anfühlt von geschätzten 200 Leuten gemustert zu werden, sollte mal zu spät ein Flugzeug besteigen) und unsere Sitzplätze verloren zu haben. Aber der gemeine Amerikaner scheint netter zu sein als so manche Airline, und so kam es das wir jetzt zumindest grob nebeneinander sitzen und doch noch mehr oder minder pünktlich zum nächsten Ziel fliegen.

21:07 – Las Vegas
Der erste Eindruck von Las Vegas verspricht nicht weniger als das, worum sich alles in dieser Stadt zu drehen scheint: Gambling. Kaum ist man aus dem Flugzeug ausgestiegen und verlässt sein Gate steht man schon neben den ersten Spielautomaten. So gesehen ergibt es für einige Leute vermutlich sogar einen tieferen Sinn Las Vegas als Ort zum umsteigen von einem Flug in den anderen zu wählen. Wie auch immer, Las Vegas mutet an wie ein Disney-Land für Erwachsene. Die Hotels des Strip ähneln den Burgen aus dem Traumreich für Kinder in frappierender Weise. Selbst die Attraktionen, die innerhalb der Hotels auf dem “Attraction Floor” angeboten werden, finden sich vermutlich in derselben Art auch in besagtem Kinderparadies wieder. Im Gegensatz zu der Ausgabe für die kleinen stehen hier allerdings vor allem besagtes Gambling und die üblichen Exzesse für Erwachsene im Vordergrund: Rauchen (vor allem in den riesigen Casinos), Alkohol (sogar ohne die stylischen braunen Papiertüten) und Sex (die Flyer haben in Sachen Freizügigkeit europäisches Niveau). Womit auch der Hintergrund der Redewendung “Happens in Vegas, stays in Vegas” zur Genüge hinterleuchtet wäre. Das Wetter ist hier übrigens noch wärmer als in Miami. Allerdings ist die Luftfeuchtigkeit hier nicht so hoch als das es eine derart drückende Wärme wäre. Aber man schafft es dennoch mit Leichtigkeit an Körperteilen zu schwitzen, von denen man nicht einmal wusste das sie Schweißdrüsen haben. Da bringt auch die Kühle der Nacht keine Abhilfe, da es nicht nennenswert kühler wird wenn die Sonne erst einmal hinter dem Horizont verschwunden ist – und so etwas nennt sich nun Wüste.