17. June 2007: Aloha!

Das ist also dieses Hawai’i, von dem alle reden. Um genau zu sein ist es mitnichten Hawai’i im Sinne von Honululu (das ist auch eher auf Oah’u), sondern Kaua’i. Kaua’i wird auch “The Garden Island” genannt. Warum das so ist erfährt man auch schon beim Anflug auf die Insel: Sie ist grün – Urwald-Grün. Allerdings muss man mit ihr erst ein wenig warm werden. Vielleicht liegt das aber auch daran, wie unsere ersten 24 Stunden hier verlaufen sind. Denn in denen wurden wir nicht nur im Supermarkt über den Tisch gezogen (den Preise nach zu urteilen scheint es sich bei Princeville entweder um eine Touristen-Hochburg oder einen Millionärs-Club zu handeln) und bei der “Island Orientation” in eine anderthalb-stündige Verkausveranstaltung für Ausflüge gelotst (bei der Sandra um ihren Gewinn eines Segelboot-Ausflugs gebracht wurde), sondern es fehlte auch einer dieser umwerfenden Momente, in denen einem der Mund offen stehen bleibt und man einfach nur staunen kann (den gab es zum Beispiel in San Francisco als wir morgens aus dem Hotel gekommen sind und realisiert haben wo wir sind). Und die Hoola-Mädchen fehlten auch!

Dabei hat die Insel durchaus viel zu bieten. Hier gibt es wunderbare Strände, wie aus dem Bilderbuch, an denen weißer, feiner Sand den blauen Pazifik in wunderschönen Buchten umrandet und Palmen und andere Bäume einem direkt am Strand Schatten spenden. Es gibt alle Arten von Sportangeboten (die allerdings für meinen Geschmack zu sehr vermarktet werden). Und es gibt zahlreiche Wasserfälle, nicht nur in den grünen Bergen. Die vielen Vögel (vor allem Hühner, die frei herumlaufen und einen Morgens wecken) und die ausgeprägte, imposante Flora zusammen mit den wirklich schönen Panoramen sind übrigens das, was den Charakter dieser Insel denn auch ausmachen. Ich habe noch nirgends zuvor so viele verschiedene Arten von Pflanzen und Tieren auf einen Haufen gesehen. Und auch das Wetter passt sich dabei sehr gut ein: Es gibt Regen bei Sonnenschein, Regenbögen ohne Regen, Regen ohne Wolken und natürlich auch strahlend-blauen Himmel bei vollem Sonnenschein. Dabei ist das Wetter nicht nur sehr vielfältig, man hat auch das Gefühl das es sich mit jedem Meter ändert, den man sich bewegt.

Das interessanteste und kurzweiligste war allerdings das Wandern. Dabei sind wir bei einem Ausflug zu dem Waimea-Canyon eher zufällig auf den Pihea-Pfad gestossen, der direkt beim Pu’u o Kila-Aussichtspunkt beginnt. Der gerade mal eine Meile lange Weg (circa 1,8 km) ging dabei über einen Berg-Grat zu einem wirklich atemberaubenden Aussichtspunkt auf etlichen Fuß Höhe. Normaler Weise soll man von hier aus einen umwerfenden Ausblick auf den östlichen Teil der Insel und den Pazikfik haben, aber zu meinem Glück wurde die Aussicht auf dem Hinweg durch etliche Wolken verbaut, die sich teils unter und teils direkt auf dem Weg türmten. So konnte ich meiner Höhenangst ein Schnippchen schlagen und den Weg ohne weiche Knie abwandern.

Einen Quoten-Strandtag gab es aber auch. Schließlich kann man ja nicht einfach auf eine Insel mitten im Pazifik (um die halbe Erde herum!) fliegen ohne zumindest einmal in den Fluten geschwommen zu sein. Zumal mein Name auf Hawai’ianisch soviel wie Meer heißt. Und wie Murphy es schon so treffend beschrieben hat, war das auch der einzige Tag, an dem ich mich nicht komplett mit Sonnencreme eingeschmiert habe. Das übliche Schicksal der Deutschen auf Sonnen-Urlaub wollte ich dann zwar noch mit einer weiteren, nachträglichen Portion Sonnen-Blocker auf den zuvor ausgesparten Körperteilen abwenden, aber Murphy wusste schon was er schrieb und so habe ich nun auf den Schultern einen ziemlich unlustigen (wenn auch nicht wirklich schwerwiegenden) Sonnenbrand. Immerhin gab es ein interessantes Muster ab.

Wem also kann ich nun diese Insel empfehlen? Im Prinzip all jenen, die auch Madeira toll finden. Ich selbst war dort zwar noch nicht, hatte mich mit der Portugiesischen Insel im Atlantik aber bereits vor einigen Jahren beschäftigt. Und was ich von dem dortigen Angebot noch in Erinnerung habe (Wandern, immergrüne Fauna, eine einzige Straße rund um die Insel) kann es dort nicht alzu viel anders sein. Abgesehen vom Flair vielleicht. Aber eine amerikanisierte Sonnen-Insel ist schließlich auch nicht jedermanns Sache (scheinbar auch nicht jedem Hawai’ianer, wenn man den “Free Hawai’i”-Stickern auf diversen Autos Glauben schenken darf). Ich für meinen Teil muss sagen, dass es mir diese Insel durchaus angetan hat und ich es mir vorstellen kann in einigen Jahren wieder zu kommen. Dann vielleicht mit einem klareren Ziel vor Augen was es hier alles anzustellen gibt.