21. May 2013: Stadt des Winds

Nun also Chicago. Ganze fünf Jahre hat es gedauert. Zumindest wurde eine Geschäftsreise mit freiem Wochenende daraus. Und das Frühstücksbuffet im Hotel erinnerte doch arg an alte Zeiten. Nicht des Essens wegen (grausam). Vielmehr kennt man fast jeden, der im Esssaal sitzt – alles Kollegen. Zuletzt passierte mir dies in einem ähnlich günstig (was das berufliche betrifft) gelegenen Hotel im Stuttgarter Raum.

Aber zurück zu Chicago, den sub-urbanen Teil in dem mein Hotel gelegen ist. Es erinnert einen doch arg Wohnsiedlungen die aussehen wie im Film: Lang-gezogene, grüne Vorgärten mit Auffahrten für die diversen Autos. Weiße Briefkästen am Straßenrand soweit die Strasse reicht. Chicago selbst hingegen ist anders. Anders als so vieles in diesem Land: Eine spürbar alte Stadt. Das wird einem nicht nur durch die tatsächlich nennenswert alte Geschichte auf, sondern man spürt es auch. Die überall vorhandenen Industriegebäude erinnern an die Zeiten der Industrialisierung, allerdings weniger dreckig als der Ruhrpott.

CHicago

Doch auch die klassischen Touristen-Attraktionen sind durchaus sehenswert: The Art Institute of Chicago (Zeit mitbringen! Auch wenn Google einem hier die Gemälde erklären kann), Grant Park , eine Boots-Tour über den Chicago-River oder auch einfach nur durch die Stadt zu spazieren. Chicago ist definitiv eine Reise wert! Und es gibt immer noch so viel zu sehen… Einzig mit der typischen Chicago-style Pizza konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Sei’s drum.

9. January 2013: Paris erkunden

Ein paar Wochen zuvor waren wir in Paris. Wunderbare Stadt! Hauptsächlich wegen der vielen Brasserien und der allgegenwärtigen Geschichte.

Nun ist der Dezember in Europa leider öfters kalt. Ortsansässige mögen das, speziell mit Blick auf den vergangenen Dezember, sicherlich anders sehen. Doch von meiner Warte aus war es definitiv nicht warm. Dennoch haben wir uns dazu entschlossen die Stadt auf die einzig wahre Weise zu erkunden: Zu Fuß! Nicht nur gelangt man dabei in den Genuss an allen Ecken und Enden Stadt teils skurrile, meist interessante Beobachtungen machen zu können. Man kommt auch wesentlich häufiger dazu einen Zwischenstopp für Kaffee und Croissants ein zu legen.
Ein wirklich lohnender Kurzausflug! Schade nur, dass wir derlei Abstecher nicht öfter machen können.

Ganz nebenbei habe ich, Fitbit sei dank, mit 30k Schritten auch einen neuen Tages-Rekord aufstellen können. Hier eine Karte unseres Marsches:


Im übrigen hat mich Google Maps ohnehin sehr fasziniert. Mit Offline-Maps kann man sich problemlos orientieren, Online-Navigation für Öffentliche Verkehrsmittel funktioniert unter Berücksichtigung der aktuellen Fahrzeiten. So kann man sich selbst in einer fremden Großstadt kaum mehr verlaufen!

19. August 2012: Impressionen eines Touristen

Unterschiede zwischen den USA gibt es noch und nöcher. Und selbst nach über fünf Jahren fallen mir immer noch nahezu täglich neue Merkwürdigkeiten auf. Bei meinem Urlaub in Deutschland fiel mir nun umgekehrt so einiges auf – Dinge, die ich entweder vergessen oder seinerzeit nie bewusst wahrgenommen habe. Eine durchaus amüsante Erfahrung; und dabei meine ich noch nicht einmal die eigentlich offensichtlichen Sache wie Synchronsprecher im Fernsehen, pünktliche Busse und Bahnen oder das kalte, regnerische Wetter.

Das Erste was mir bewusst auffiel war all das Grün. Alles ist grün! Und dabei, im wahrsten Sinne des Wortes, malerisch schön! Sicher, das klingt abgedroschen und wird häufig gesagt ohne das man es Ernst nimmt, aber es ist in der Tat so. Während meiner Zugfahrten habe ich häufiger gemerkt wie ich aus dem Fenster gestarrt und die Landschaft genossen habe. Schnellzüge wie der ICE sind übrigens noch so eine neumodische Erfindung, die mich echt beeindruckt haben (obwohl ich zweifelsfrei diverse Tage/Wochen meines Lebens in ihnen verbracht habe). Das Bord-Restaurant des ICE ist übrigens, wie ich einmal wieder feststellen musste, die mit Abstand angenehmste Art des Reisens.
Wie so vieles andere hat auch das viele Erinnerungen hervor gebracht, an die man schon lange nicht mehr gedacht hat. Zum Beispiel das ich früher nahezu jeden dritten Fahrgast auf der ICE-Strecke Hannover-Karlsruhe vom sehen her kannte. Aber auch das Spazieren durch die Hannoversche Innenstadt brachte mich ob der vielen Erinnerungen (mein erstes Bier, der merkwürdige Computer-Einzelhändler, Punks im Allgemeinen) des öfteren zum schmunzeln.

Eine Sache, die ich gar nicht bewusst vermisst hatte, waren die Straßen-Cafés. Ganz in alte Routinen verfallend stellte ich erst fest wie angenehm es ist dort zu sitzen, Kaffee zu trinken und die Passanten zu beobachten. Oder auch Zeitung zu lesen. Ein wirklich entspannender Zeitvertreib den ich ganz unbewusst wieder aufgegriffen habe. Wenn es mir auch mit einem leichten Sonnenbrand gedankt wurde (ja, dafür reicht die Sonne in Deutschland durchaus aus!). Im Übrigen fand ich das Wetter, abgesehen von den ersten kalten Tagen, wirklich herrlich – schließlich wird es Nachts angenehm kühl anstatt stickig und heiß zu bleiben. Ein interessanter Unterschied war auch das die Leute in Deutschland weniger laut sind – klingt nach Klischee, ist aber doch wörtlich zu nehmen: Nicht nur wird durchaus leiser gesprochen, man ist auch weniger gestikulierend während einer Unterhaltung. Spielzeugläden haben auch einen sehr positiven Eindruck hinterlassen; wenn ich auch nicht genau zu sagen vermag warum. Vermutlich weil sie nicht diesen hier so typischen Lagerhaus-Charme versprühen.

Richtiggehend geschockt haben mich allerdings zweierlei Dinge: Besoffene 16-jährige in einem Biergarten sowie die vielen, vielen Menschen die zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs sind. Beides ist hierzulande quasi unvorstellbar. Nur um das fest zu halten: Biergärten sind immer noch eine tolle Sache und das Bier schmeckt in Deutschland auch wesentlich besser als alles hier verfügbare. Allerdings war der Anblick sich hemmungslos in der Öffentlichkeit besaufender Minderjähriger trotz Spring-Break Erfahrungen recht merkwürdig. Mag etwas damit zu tun haben das hierzulande Alkohol nur in bestimmten Geschäften und dort auch nur bis 22:00h Abends gekauft werden darf – ab 21 Jahren.

Vollkommen Unerwartet hat mich auch das fehlen jedweden öffentlichen, freien Internet-Zugangs getroffen. Ich dachte mittlerweile wäre so etwas eine Selbstverständlichkeit – Miami Beach hat selbigen flächendeckend seit etlichen Jahren. Scheinbar ist dem in Deutschland nicht so. Enttäuschungen gab es auch beim Essen: All das, worauf ich mich so häufig gefreut hatte, konnte leider nicht meinen Erwartungen gerecht werden. Seien es die zahlreichen Bratwürste (einzige Ausnahme ist die Grobe Bratwurst aus einer Kölner Schlachterei), der Döner (zugegeben aus dem falschen Laden), die Currywurst-Pommes, die Fischbrötchen oder die Mettwurst (das Zwiebelfleisch war jedoch eine Offenbarung) – alles hat in der Erinnerung wesentlich besser gemundet. Dafür waren Gyros, Souflaki und Suzuki umso besser.

Dennoch, es hat Spaß gemacht. Auch wenn es zu stressig war um als Urlaub durchzugehen ist es sicherlich einen Wiederholung wert. Mal sehen wann es das nächste Mal klappt!

14. August 2011: Die Entdeckung der Einöde

Hier waren wir also, nach zwei Kurzflugstrecken und ein paar Autobahnkilometer – angekommen im nirgendwo. Die Schotterwege mit ihrem teils sehr imposanten Anstieg (die sogar dem Getriebe eines Jeep das fürchten lehren) haben einem sofort und unmissverständlich klar gemacht, dass dies eine andere Welt ist. Passend dazu gibt es auch weit und breit keinen Handy-Empfang. Und das ansonsten per Satellit vorhandene Internet hat auch seinen Dienst versagt. Willkommen in der Abgeschiedenheit der Smoky Mountains!

Verwöhnt wie man als Stadtmensch nun mal ist, war es nicht ganz so leicht sich der hiesigen Zeit anzupassen – es gibt keine Termine, keinen Zeitdruck und die Hauptbeschäftigung des Tages besteht darin zu entspannen. Spricht man neudeutsch vom Entschleunigen nennt man es hier schlichtweg Porching: Man genießt die Natur, das herrliche Klima und vergisst über all das sogar welchen Wochentag man gerade hat.

Eine Hütte im Nirgendwo

Zugegeben, ganz so beschaulich lässt sich mit einem Haufen Kindern dann doch kein Urlaub machen. Und so wurden Pferde geritten, Hühner gejagt, Hunde gestreichelt (oder vor selbigen weg gerannt), Kühe gemolken und Schafe gezählt. Oder Edelsteine geschürft, Berge erklommen, Parks begutachtet oder einfach nur der Wald erwandert.

Und so war es auch gar kein Problem, dass das Handy nicht ging oder das Internet in kleinen Ortschaften gesucht werden musste – ganz im Gegenteil.

10. April 2009: Quack-Quack

Es gibt hier in Miami Beach so eine Tourie-Tour namens Duck Tours. Sie ist toll, sagt man. Und lohnenswert, sagt man. Allein, wir hatten bis dato immer ungünstige Umstände: Keine freien Parkplätze, zu flaches Wasser, keine freien Tickets, zu spätes Ankommen durch Stau und (mein Favorit) eine kaputte Batterie am entsprechenden Bus/Schiff. Doch heute war alles anders: Es ging los!

Ohne zu viel zu verraten (der ein oder andere Leser will die Tour ja vielleicht auch mal mitmachen) sei gesagt, dass diese schrillen Leutchen einen nicht nur unterhalten, sondern einem auch echt eine Menge zu erzählen haben. Der 90 Minuten während Ausflug zu Lande und zu Wasser verging so auch wie im Fluge. Und dazugelernt habe ich auch noch was: Auf Star Island) habe ich ein paar durchaus bekannte Nachbarn!

3. January 2009: Die Geräusche der Stadt

…sind in New York besonders laut. Was man allerdings auch sehr gut nachvollziehen kann, denn diese Stadt ist einfach nur gross riesig. Um nicht zu sagen überwältigend. Ungleich aller anderer US-Städte, die ich bislang gesehen habe, wirkt sie dabei kein Stück künstlich. Das mag vor allem daran liegen, dass sie mit Abstand die älteste Stadt auf diesem Kontinent ist, die ich bislang besucht habe. Faszinierend und einschüchternd zugleich.

New York (Brooklyn)

Zu sehen ist das auch allenthalben, vor allem abseits der üblichen Routen. In den Seitenstraßen der Upper West Side gibt es durchaus Straßenzüge, die an den Charakter so mancher europäischer Großstadt erinnern. Auf erstaunlich engem Raum zusammen gestaucht gelangt man so mit wenigen Schritten von Madrid nach London.

Die Menschen, die hier leben, sind hingegen alles andere als idyllische Abbilder ihrer europäischen Ahnen. Das der gemeine New Yorker ein eingebildeter, rücksichtsloser Egomane ist, wurde einem ja bereits durch diverse Filme (im letzten Jahr auch vermehrt durch die Nachrichten von der Wall Street) versinnbildlicht. Aber in der Realität sind Taxifahrer, die beim Rückwärts-fahren trotz anwesender Polizei keine Rücksicht auf Kinderwagen nehmen, doch noch weit erschreckender. Oder die Mutter, die, nachdem wir bereits zehn Minuten mit Bauklötzen im Kindermuseum gespielt haben, mit ihren beiden Kindern auftaucht und meint, man solle gefälligst Platz machen da sie schon vorher dort gespielt hätten – es gab noch weitaus mehr unbesetzte Kisten mit Bauklötzen.

Trotzdem ist New York eine beeindruckende Stadt, deren Besuch ich jedem auch nur halbwegs metrophilen Menschen nur empfehlen kann. Allerdings am besten nicht im Winter, denn wenn der New Yorker sagt es sei kalt, dann meint er das wirklich. Und das gilt nicht nur für verwöhnte Floridians.

31. May 2008: Cruisin'

Ich war ja nun letztens auf einer Kreuzfahrt in die Karibik. Eigentlich das erste Anzeichen dafür, dass man wirklich alt ist – auch wenn sich neuerdings immer jüngere Generationen diesem nautischen Vergnügen hingeben. In diesem speziellen Fall gehörten wir jedoch genau in die Zielgruppe: Es war eine Disney Cruise mit entsprechend vielen Kindern und Eltern an Bord.

Dennoch profitiert man auf so einer Kreuzfahrt doch endlich mal vom deutschen Rentensystem (alter Zeiten). Besteht das Bordpersonal nämlich zumeist aus Leuten der zweiten Welt, sind sämtliche Bordprospekte (sogar die Bad-Utensilien) in vorzügliches Deutsch übersetzt – dem Weltmeister im Reisen wird demnach entsprechend gehuldigt.

Der Vorteil einer Disney Cruise liegt für die Eltern dabei klar auf der Hand: Man kann die Kinder in professionelle Obhut übergeben um ruhig und entspannt Cocktails am Erwachsenen-Pool genießen zu können. Alternativ kann man auch die Füße im Sand des Erwachsenen-Strands vergraben. Dem ab-18-Bereich kommt dabei eine ganz andere Bedeutung zu. Und so ganz nebenbei kommt man dadurch noch in den Genuss einer privaten Insel mit dazugehörigem Disney-Park: Castaway Cay. Eltern sei eine derartige Kreuzfahrt also wärmstens empfohlen!

Abschließend sei noch gesagt, dass Schiffsschwankungen durchaus lustig sind. Gemeinhin kennt man das allerdings schon von diversen Promille Blutalkohol. Das geradeaus-gehen ist übrigens auch nüchtern nicht leichter.

9. November 2007: Reisewirren

Nachdem der Flug in der letzten Woche bereits ausgefallen ist, sollte es am Donnerstag also endlich losgehen. Mit einem Ersatz-Reisepass bewaffnet ging es morgens also los zum Hannoverschen Flughafen. Übrigens einer der angenehmeren auf der Welt, wie ich den Tag mal wieder feststellt durfte – klein genug um gemütlich und gemächlich alles angehen zu können, aber dabei groß genug um bequem überall hinzukommen. So störte es mich auch nicht weiter, dass ich bereits zwei Stunden vor Abflug da sein sollte.

Im Gegenteil: Einmal angekommen und zum Check-In durchgekämpft stellte ich recht schnell fest, dass es sogar eine gute Idee war sehr frühzeitig aufzubrechen. Die Lufthansa hat an dem Tag wohl eine neue Software für den Check-In freigeschaltet und so kam es, dass die Mitarbeiter ein wenig umständlich vorgingen und dabei von – scheinbaren – Support-Leuten beobachtet wurden. Leider verhalf mir diese Unterstützung auch nicht zu meinem Ticket von Zürich nach Miami: Man könne mir leider nur das Ticket von Hannover nach Zürich ausgeben, da die Swiss auf dem Ticket des Anschlussflugs ein Sperrkennzeichen gesetzt habe. Und so durfte ich dann ohne weiterführendes Ticket zunächst nach Zürich starten.

Einmal dort angekommen hatte ich denn auch schon zwanzig Minuten Verspätung. Bei gerade einmal 90 Minuten Umsteigezeit kamen hier schon erste Stress-Symptome auf. Immerhin brauchte ich mich nicht um mein Gepäck kümmern und konnte direkt den ersten Swiss-Schalter ansteuern um dort mein Ticket für den Weiterflug abzuholen. Zu meiner Zufriedenheit gab es dort auch keinerlei Schlangen und ich konnte zügig meinem Begehren Ausdruck verleihen. Und zwar vornehmlich der 15-jährigen Tochter einer Swiss-Angestellten. An diesem Tag war offensichtlich Mutter-Kind-Tag in der Schweiz und alles wimmelte von kleinen Kindern die ihrer Mutter bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauten und tatkräftig mit halfen. So knuffig das auch ist, trug es leider nicht zur Beruhigung meiner Nerven bei. Eher im Gegenteil. Doch hier sollte alles schnell und vor allem glatt gehen: Nachdem mein Reisepass eingegeben (manuell, weil der Scanner nicht funktionierte) und mein Ticket gefunden war, musste nur noch fix das Ticket ausgedruckt werden (an einem anderen Platz, weil der Drucker scheinbar nicht ging). Bewaffnet mit diesem Ticket raste ich nun in Richtung Gate – bei Transatlantik-Flügen gibt es schließlich seit einiger Zeit immer einen zweiten Security-Check, durch den ich auch erstmal noch durch musste.

Bei eben jenem zweiten Check angekommen musste ich mich brav in der Schlange einreihen – obwohl laut Ticket die Check-In Zeit bereits abgelaufen war und das Boarding schon begonnen hatte. In etwa zu dieser Zeit viel mir dann auch auf, dass auf dem Ticket der falsche Name stand! Scheinbar hat die Dame beim Schalter das falsche Ticket ausgedruckt. Aber immerhin war es derselbe Flug, so das ich durch den Sicherheits-Check problemlos durchkommen konnte. Endlich am Gate angekommen machte ich die Damen dort auf das Versehen aufmerksam. Mit einer gewissen Bleiche im Gesicht nahmen sie mir zügig mein Ticket ab und druckten mir ein neues – meines – aus. Leider wollten sie mich damit immer noch nicht an Bord lassen, denn das Ticket war nicht freigegeben. Ich sollte damit doch bitte zum Transferschalter in der Mitte der Halle gehen. Gehen ist gut, denn in diesem Fall gingen die ersten Passagiere schon an Bord und in 30 Minuten sollte der Flug starten. Ich rannte also zu eben jenem Transfer-Schalter und trug mein Anliegen erneut vor – zum dritten Mal.

Hier stellte sich dann heraus, dass das Ticket in der Woche zuvor von der Lufthansa-Hotline scheinbar nicht korrekt umgebucht wurde. Zwar hatte ich einen Sitzplatz reserviert und war auf dem Flug gelistet, das Ticket jedoch war angeblich nicht bezahlt worden. In diesem Moment war ich, nach Hannover, das zweite Mal ziemlich sauer auf die mangelnde Swiss-Lufthansa-Kooperation und brachte das, für mein Gefühl noch recht gemäßigt, auch zum Ausdruck. Die Damen dort zeigten Verständnis und entließen mich, 15 Minuten vor Abflug, mit dem bereits zuvor gedruckten Ticket wieder Richtung Gate. Über die Zahlungsfragen würde man sich später kümmern, ich solle erst einmal den Flug antreten. Das war denn auch die erste positive Nachricht des Tages und als ich dann fünf Minuten für Abflugtermin im Flugzeug saß, wurde ich auch wieder entspannter und konnte den durchaus angenehmen Service der Swiss-Stewardessen die gesamten elf Stunden lang genießen.

In den USA hingegen lief alles glatt: Es war zwar ziemlich voll, aber der Mann vom Department of Homeland Security war die Freundlichkeit und Person und hatte sogar einen Witz auf den lockeren Lippen. Mal schauen, was auf der Kreditkartenabrechnung stehen wird…

15. September 2007: Miami-ish

Miami Beach, South-Florida. Die Stadt, die im kommenden Jahr mein zu Hause sein soll. Auch wenn ich mithin das vierte Mal hier bin, habe ich dieses Mal eine andere Perspektive auf die Umgebung: Es ist kein richtiger Urlaub mehr, sondern schon eher das Einleben für nächstes Jahr. Somit fallen einem auch vollkommen andere Sachen auf, als sonst.

Zum Beispiel das (WIC). WIC ist eine tolle Einrichtung hier in den Staaten – vor allem da man keinerlei andere Unterstützung des Staates für seine Kinder erhält. Die sogenannten WIC-Checks bekommt man von seinem Arzt und kann damit bestimmte Produkte wie zum Beispiel Milch, Fruchtsäfte oder Cereals kaufen. Ähnlich wie seinerzeit Essensmarken. Dadurch soll gewährleistet werden, dass sich Kinder und schwangere Frauen gesünder ernähren (und damit die Gesundheitskosten gesenkt werden). Obst oder Gemüse jedoch tauchte bislang nicht im Repertoire auf, was sich im nächsten Jahr jedoch ändern soll. Jedenfalls theoretisch, denn die Bush-Regierung hat den entsprechenden Posten im Budget für 2008 um US-$ 145 Mio. gekürzt.

Aber es gibt auch ganz profane Dinge, die hier irgendwie anders sind:

  • Hände einziehen: Niedrig hängende Deckenventilatoren
  • Von Brr bis Uff: Eiskalte Klimaanlagen gegen tropische Sommersonne
  • Gewöhnungsbedürftig: Bunte Bürgersteige und Rechts-Abbiegen bei Rot
  • Feierabend-Fragen: Zum Strand oder zum Pool?
  • Drei-Minütiges Werbe-Stakkato: 100 TV-Sender und doch immer nur dasselbe
  • Nicht ohne meine Sonnenbrille: Schneeblindheit ohne Schnee.

5. July 2007: ...zu erzählen.

Rückflüge zu verschieben ist ja eine unserer kleinsten Herausforderungen. Und so wurde der Aufenthalt in Übersee auch dieses Mal um eine Woche verlängert nachdem der Chef telefonisch nichts einzuwenden hatte (wofür man die Wartezeit in einer Schlange – diese spezielle war vor dem Disney-World in Orlando – nutzen kann). Im Gegensatz zum Abflugtermin in Richtung Las Vegas gute vier Wochen zuvor kamen wir dieses Mal auch pünktlich los. Somit war der Check-In auch problemlos und ziemlich unspektakulär abgehakt. Und da auch weit und breit keinerlei Schlange in Sicht war, viel der Abschied umso langwieriger und schmerzhafter aus. Es gibt einfach keine positiven Seiten daran seine schwangere Ehefrau auf einem anderen Kontinent zurück zu lassen.

Das Gate zu finden stellte diesmal übrigens auch keine Herausforderung dar und konnte resolut bewältigt werden. Einmal dort angekommen setzen zwar schon die ersten Gedanken über einen etwaigen Rückflug ein, aber da der Flug tatsächlich pünktlich war sollte man sich schon bald wieder auf andere Gedanken bringen können. Und so kam es denn auch, dass das Boarding tatsächlich pünktlich los ging, alle Passagiere zur Abflugzeit in der Kabine saßen und die Türen auch prompt geschlossen werden konnten. Auf die Sekunde pünktlich für eines jener lokalen Gewitter in Miami, die so stark ausfallen das auch ein Flughafen gesperrt werden muss. In diesem Fall für lange sechzig Sekunden.

Regen in Miami

Auf diese Weise wurde die Wartezeit im Umsteige-Flughafen Philadelphia ein wenig kürzer – statt vier nur noch drei Stunden. Was wiederum sehr gut ist, da ich diverse Flashbacks zu dem Umsteigen während meines Hinflugs hatte. Und ein am Telefon weinendes Kind, dass heiser “But I want you back!“ ins Telefon schluchzt bringt einen auch nicht auf positivere Gedanken. Immerhin ging der Anschlussflug nach Frankfurt überpünktlich zum Boarding über und startete dafür verspätet wegen fehlender Passagiere. Was allerdings nicht viel ausmachte da ich es tatsächlich einmal geschafft habe im Flugzeug zu schlafen – und zwar die komplette Strecke. Auf dem Weg von Hawaii nach Miami hätte ich auch soviel Glück nötig gehabt.

Einmal auf deutschem Boden angekommen musste ich schon ganz unbewusst auf die unterschiedlichen Mentalitäten achten. Abgesehen von vielen Kleinigkeiten ist mir vor allem der Zöllner im Gedächtnis haften geblieben: Wo in den USA jeder freundlich ist und einen nur dann grimmig anschaut um etwas damit zu bewirken schien der deutsche Beamte dort am Schalter vor mir von seiner Arbeit dermaßen angeödet zu sein das er sich nicht einmal zu einem direkten Augenkontakt durchringen konnte. Das also ist mein Heimatland und es scheint wirklich froh zu sein mich zurück zu haben.

Was also tut man in einer Heimat, in der man sich ziemlich fehl am Platze fühlt? Richtig, man fährt irgendwo hin um sich abzulenken. In diesem Fall ist die Wahl dann auch auf Hannover gefallen. Da es Freitag ist sollte das auch kein Problem darstellen – und so ging es direkt zum Bahnhof in Frankfurt und von dort aus gen Hildesheim, wo ein Privattaxi auf mich warten sollte um mich nach Hannover zu bringen. Die ersten Stunden waren dann auch damit voll gestopft viele Leute anzurufen und das ein oder andere Wiedersehen in Hannover zu organisieren. Vor allem auf das Essen im Bord-Restaurant habe ich mich dabei gefreut – doch das war leider ein wenig zu früh. Wie ich bereits in Miami mitbekommen hatte, gab es diverse Streik-Szenarien bei der Deutschen Bahn. Unter diesen Gesichtspunkten war ich ja schon froh, dass mein ICE überhaupt fuhr und dazu auch noch pünktlich war! Doch kaum hatte ich mich auf der reichhaltigen Karte für ein Mittagsmenü entschieden, wurde auch schon bekannt, dass es gar nichts mehr zu Essen gab. Da hat wohl irgendjemand gestreikt. Und so sollte denn auch das Eiersandwich vom Vortag das letzte sein, was sich bis zum Abend gegessen haben sollte.

Doch so richtig in Deutschland angekommen bin ich dann wirklich erst in Hildesheim, als ich bei 15°C im Regen auf der Straße stand und auf mein (verspätetes) Taxi gewartet habe: Ein Provinznest bei typischen Wetter mitten im Sommer holte mich recht schnell wieder auf den hiesigen Boden der Tatsachen zurück. Es war, als ob man nie weg gewesen wäre.