21. May 2013: Stadt des Winds

Nun also Chicago. Ganze f├╝nf Jahre hat es gedauert. Zumindest wurde eine Gesch├Ąftsreise mit freiem Wochenende daraus. Und das Fr├╝hst├╝cksbuffet im Hotel erinnerte doch arg an alte Zeiten. Nicht des Essens wegen (grausam). Vielmehr kennt man fast jeden, der im Esssaal sitzt – alles Kollegen. Zuletzt passierte mir dies in einem ├Ąhnlich g├╝nstig (was das berufliche betrifft) gelegenen Hotel im Stuttgarter Raum.

Aber zur├╝ck zu Chicago, den sub-urbanen Teil in dem mein Hotel gelegen ist. Es erinnert einen doch arg Wohnsiedlungen die aussehen wie im Film: Lang-gezogene, gr├╝ne Vorg├Ąrten mit Auffahrten f├╝r die diversen Autos. Wei├če Briefk├Ąsten am Stra├čenrand soweit die Strasse reicht. Chicago selbst hingegen ist anders. Anders als so vieles in diesem Land: Eine sp├╝rbar alte Stadt. Das wird einem nicht nur durch die tats├Ąchlich nennenswert alte Geschichte auf, sondern man sp├╝rt es auch. Die ├╝berall vorhandenen Industriegeb├Ąude erinnern an die Zeiten der Industrialisierung, allerdings weniger dreckig als der Ruhrpott.

CHicago

Doch auch die klassischen Touristen-Attraktionen sind durchaus sehenswert: The Art Institute of Chicago (Zeit mitbringen! Auch wenn Google einem hier die Gem├Ąlde erkl├Ąren kann), Grant Park , eine Boots-Tour ├╝ber den Chicago-River oder auch einfach nur durch die Stadt zu spazieren. Chicago ist definitiv eine Reise wert! Und es gibt immer noch so viel zu sehen… Einzig mit der typischen Chicago-style Pizza konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Sei’s drum.

9. January 2013: Paris erkunden

Ein paar Wochen zuvor waren wir in Paris. Wunderbare Stadt! Haupts├Ąchlich wegen der vielen Brasserien und der allgegenw├Ąrtigen Geschichte.

Nun ist der Dezember in Europa leider ├Âfters kalt. Ortsans├Ąssige m├Âgen das, speziell mit Blick auf den vergangenen Dezember, sicherlich anders sehen. Doch von meiner Warte aus war es definitiv nicht warm. Dennoch haben wir uns dazu entschlossen die Stadt auf die einzig wahre Weise zu erkunden: Zu Fu├č! Nicht nur gelangt man dabei in den Genuss an allen Ecken und Enden Stadt teils skurrile, meist interessante Beobachtungen machen zu k├Ânnen. Man kommt auch wesentlich h├Ąufiger dazu einen Zwischenstopp f├╝r Kaffee und Croissants ein zu legen.
Ein wirklich lohnender Kurzausflug! Schade nur, dass wir derlei Abstecher nicht ├Âfter machen k├Ânnen.

Ganz nebenbei habe ich, Fitbit sei dank, mit 30k Schritten auch einen neuen Tages-Rekord aufstellen k├Ânnen. Hier eine Karte unseres Marsches:


Im ├╝brigen hat mich Google Maps ohnehin sehr fasziniert. Mit Offline-Maps kann man sich problemlos orientieren, Online-Navigation f├╝r ├ľffentliche Verkehrsmittel funktioniert unter Ber├╝cksichtigung der aktuellen Fahrzeiten. So kann man sich selbst in einer fremden Gro├čstadt kaum mehr verlaufen!

19. August 2012: Impressionen eines Touristen

Unterschiede zwischen den USA gibt es noch und n├Âcher. Und selbst nach ├╝ber f├╝nf Jahren fallen mir immer noch nahezu t├Ąglich neue Merkw├╝rdigkeiten auf. Bei meinem Urlaub in Deutschland fiel mir nun umgekehrt so einiges auf – Dinge, die ich entweder vergessen oder seinerzeit nie bewusst wahrgenommen habe. Eine durchaus am├╝sante Erfahrung; und dabei meine ich noch nicht einmal die eigentlich offensichtlichen Sache wie Synchronsprecher im Fernsehen, p├╝nktliche Busse und Bahnen oder das kalte, regnerische Wetter.

Das Erste was mir bewusst auffiel war all das Gr├╝n. Alles ist gr├╝n! Und dabei, im wahrsten Sinne des Wortes, malerisch sch├Ân! Sicher, das klingt abgedroschen und wird h├Ąufig gesagt ohne das man es Ernst nimmt, aber es ist in der Tat so. W├Ąhrend meiner Zugfahrten habe ich h├Ąufiger gemerkt wie ich aus dem Fenster gestarrt und die Landschaft genossen habe. Schnellz├╝ge wie der ICE sind ├╝brigens noch so eine neumodische Erfindung, die mich echt beeindruckt haben (obwohl ich zweifelsfrei diverse Tage/Wochen meines Lebens in ihnen verbracht habe). Das Bord-Restaurant des ICE ist ├╝brigens, wie ich einmal wieder feststellen musste, die mit Abstand angenehmste Art des Reisens.
Wie so vieles andere hat auch das viele Erinnerungen hervor gebracht, an die man schon lange nicht mehr gedacht hat. Zum Beispiel das ich fr├╝her nahezu jeden dritten Fahrgast auf der ICE-Strecke Hannover-Karlsruhe vom sehen her kannte. Aber auch das Spazieren durch die Hannoversche Innenstadt brachte mich ob der vielen Erinnerungen (mein erstes Bier, der merkw├╝rdige Computer-Einzelh├Ąndler, Punks im Allgemeinen) des ├Âfteren zum schmunzeln.

Eine Sache, die ich gar nicht bewusst vermisst hatte, waren die Stra├čen-Caf├ęs. Ganz in alte Routinen verfallend stellte ich erst fest wie angenehm es ist dort zu sitzen, Kaffee zu trinken und die Passanten zu beobachten. Oder auch Zeitung zu lesen. Ein wirklich entspannender Zeitvertreib den ich ganz unbewusst wieder aufgegriffen habe. Wenn es mir auch mit einem leichten Sonnenbrand gedankt wurde (ja, daf├╝r reicht die Sonne in Deutschland durchaus aus!). Im ├ťbrigen fand ich das Wetter, abgesehen von den ersten kalten Tagen, wirklich herrlich – schlie├člich wird es Nachts angenehm k├╝hl anstatt stickig und hei├č zu bleiben. Ein interessanter Unterschied war auch das die Leute in Deutschland weniger laut sind – klingt nach Klischee, ist aber doch w├Ârtlich zu nehmen: Nicht nur wird durchaus leiser gesprochen, man ist auch weniger gestikulierend w├Ąhrend einer Unterhaltung. Spielzeugl├Ąden haben auch einen sehr positiven Eindruck hinterlassen; wenn ich auch nicht genau zu sagen vermag warum. Vermutlich weil sie nicht diesen hier so typischen Lagerhaus-Charme verspr├╝hen.

Richtiggehend geschockt haben mich allerdings zweierlei Dinge: Besoffene 16-j├Ąhrige in einem Biergarten sowie die vielen, vielen Menschen die zu Fu├č oder per Fahrrad unterwegs sind. Beides ist hierzulande quasi unvorstellbar. Nur um das fest zu halten: Bierg├Ąrten sind immer noch eine tolle Sache und das Bier schmeckt in Deutschland auch wesentlich besser als alles hier verf├╝gbare. Allerdings war der Anblick sich hemmungslos in der ├ľffentlichkeit besaufender Minderj├Ąhriger trotz Spring-Break Erfahrungen recht merkw├╝rdig. Mag etwas damit zu tun haben das hierzulande Alkohol nur in bestimmten Gesch├Ąften und dort auch nur bis 22:00h Abends gekauft werden darf – ab 21 Jahren.

Vollkommen Unerwartet hat mich auch das fehlen jedweden ├Âffentlichen, freien Internet-Zugangs getroffen. Ich dachte mittlerweile w├Ąre so etwas eine Selbstverst├Ąndlichkeit – Miami Beach hat selbigen fl├Ąchendeckend seit etlichen Jahren. Scheinbar ist dem in Deutschland nicht so. Entt├Ąuschungen gab es auch beim Essen: All das, worauf ich mich so h├Ąufig gefreut hatte, konnte leider nicht meinen Erwartungen gerecht werden. Seien es die zahlreichen Bratw├╝rste (einzige Ausnahme ist die Grobe Bratwurst aus einer K├Âlner Schlachterei), der D├Âner (zugegeben aus dem falschen Laden), die Currywurst-Pommes, die Fischbr├Âtchen oder die Mettwurst (das Zwiebelfleisch war jedoch eine Offenbarung) – alles hat in der Erinnerung wesentlich besser gemundet. Daf├╝r waren Gyros, Souflaki und Suzuki umso besser.

Dennoch, es hat Spa├č gemacht. Auch wenn es zu stressig war um als Urlaub durchzugehen ist es sicherlich einen Wiederholung wert. Mal sehen wann es das n├Ąchste Mal klappt!

14. August 2011: Die Entdeckung der Ein├Âde

Hier waren wir also, nach zwei Kurzflugstrecken und ein paar Autobahnkilometer – angekommen im nirgendwo. Die Schotterwege mit ihrem teils sehr imposanten Anstieg (die sogar dem Getriebe eines Jeep das f├╝rchten lehren) haben einem sofort und unmissverst├Ąndlich klar gemacht, dass dies eine andere Welt ist. Passend dazu gibt es auch weit und breit keinen Handy-Empfang. Und das ansonsten per Satellit vorhandene Internet hat auch seinen Dienst versagt. Willkommen in der Abgeschiedenheit der Smoky Mountains!

Verw├Âhnt wie man als Stadtmensch nun mal ist, war es nicht ganz so leicht sich der hiesigen Zeit anzupassen – es gibt keine Termine, keinen Zeitdruck und die Hauptbesch├Ąftigung des Tages besteht darin zu entspannen. Spricht man neudeutsch vom Entschleunigen nennt man es hier schlichtweg Porching: Man genie├čt die Natur, das herrliche Klima und vergisst ├╝ber all das sogar welchen Wochentag man gerade hat.

Eine H├╝tte im Nirgendwo

Zugegeben, ganz so beschaulich l├Ąsst sich mit einem Haufen Kindern dann doch kein Urlaub machen. Und so wurden Pferde geritten, H├╝hner gejagt, Hunde gestreichelt (oder vor selbigen weg gerannt), K├╝he gemolken und Schafe gez├Ąhlt. Oder Edelsteine gesch├╝rft, Berge erklommen, Parks begutachtet oder einfach nur der Wald erwandert.

Und so war es auch gar kein Problem, dass das Handy nicht ging oder das Internet in kleinen Ortschaften gesucht werden musste – ganz im Gegenteil.

10. April 2009: Quack-Quack

Es gibt hier in Miami Beach so eine Tourie-Tour namens Duck Tours. Sie ist toll, sagt man. Und lohnenswert, sagt man. Allein, wir hatten bis dato immer ung├╝nstige Umst├Ąnde: Keine freien Parkpl├Ątze, zu flaches Wasser, keine freien Tickets, zu sp├Ątes Ankommen durch Stau und (mein Favorit) eine kaputte Batterie am entsprechenden Bus/Schiff. Doch heute war alles anders: Es ging los!

Ohne zu viel zu verraten (der ein oder andere Leser will die Tour ja vielleicht auch mal mitmachen) sei gesagt, dass diese schrillen Leutchen einen nicht nur unterhalten, sondern einem auch echt eine Menge zu erz├Ąhlen haben. Der 90 Minuten w├Ąhrend Ausflug zu Lande und zu Wasser verging so auch wie im Fluge. Und dazugelernt habe ich auch noch was: Auf Star Island) habe ich ein paar durchaus bekannte Nachbarn!

3. January 2009: Die Ger├Ąusche der Stadt

…sind in New York besonders laut. Was man allerdings auch sehr gut nachvollziehen kann, denn diese Stadt ist einfach nur gross riesig. Um nicht zu sagen ├╝berw├Ąltigend. Ungleich aller anderer US-St├Ądte, die ich bislang gesehen habe, wirkt sie dabei kein St├╝ck k├╝nstlich. Das mag vor allem daran liegen, dass sie mit Abstand die ├Ąlteste Stadt auf diesem Kontinent ist, die ich bislang besucht habe. Faszinierend und einsch├╝chternd zugleich.

New York (Brooklyn)

Zu sehen ist das auch allenthalben, vor allem abseits der ├╝blichen Routen. In den Seitenstra├čen der Upper West Side gibt es durchaus Stra├čenz├╝ge, die an den Charakter so mancher europ├Ąischer Gro├čstadt erinnern. Auf erstaunlich engem Raum zusammen gestaucht gelangt man so mit wenigen Schritten von Madrid nach London.

Die Menschen, die hier leben, sind hingegen alles andere als idyllische Abbilder ihrer europ├Ąischen Ahnen. Das der gemeine New Yorker ein eingebildeter, r├╝cksichtsloser Egomane ist, wurde einem ja bereits durch diverse Filme (im letzten Jahr auch vermehrt durch die Nachrichten von der Wall Street) versinnbildlicht. Aber in der Realit├Ąt sind Taxifahrer, die beim R├╝ckw├Ąrts-fahren trotz anwesender Polizei keine R├╝cksicht auf Kinderwagen nehmen, doch noch weit erschreckender. Oder die Mutter, die, nachdem wir bereits zehn Minuten mit Baukl├Âtzen im Kindermuseum gespielt haben, mit ihren beiden Kindern auftaucht und meint, man solle gef├Ąlligst Platz machen da sie schon vorher dort gespielt h├Ątten – es gab noch weitaus mehr unbesetzte Kisten mit Baukl├Âtzen.

Trotzdem ist New York eine beeindruckende Stadt, deren Besuch ich jedem auch nur halbwegs metrophilen Menschen nur empfehlen kann. Allerdings am besten nicht im Winter, denn wenn der New Yorker sagt es sei kalt, dann meint er das wirklich. Und das gilt nicht nur f├╝r verw├Âhnte Floridians.

31. May 2008: Cruisin'

Ich war ja nun letztens auf einer Kreuzfahrt in die Karibik. Eigentlich das erste Anzeichen daf├╝r, dass man wirklich alt ist – auch wenn sich neuerdings immer j├╝ngere Generationen diesem nautischen Vergn├╝gen hingeben. In diesem speziellen Fall geh├Ârten wir jedoch genau in die Zielgruppe: Es war eine Disney Cruise mit entsprechend vielen Kindern und Eltern an Bord.

Dennoch profitiert man auf so einer Kreuzfahrt doch endlich mal vom deutschen Rentensystem (alter Zeiten). Besteht das Bordpersonal n├Ąmlich zumeist aus Leuten der zweiten Welt, sind s├Ąmtliche Bordprospekte (sogar die Bad-Utensilien) in vorz├╝gliches Deutsch ├╝bersetzt – dem Weltmeister im Reisen wird demnach entsprechend gehuldigt.

Der Vorteil einer Disney Cruise liegt f├╝r die Eltern dabei klar auf der Hand: Man kann die Kinder in professionelle Obhut ├╝bergeben um ruhig und entspannt Cocktails am Erwachsenen-Pool genie├čen zu k├Ânnen. Alternativ kann man auch die F├╝├če im Sand des Erwachsenen-Strands vergraben. Dem ab-18-Bereich kommt dabei eine ganz andere Bedeutung zu. Und so ganz nebenbei kommt man dadurch noch in den Genuss einer privaten Insel mit dazugeh├Ârigem Disney-Park: Castaway Cay. Eltern sei eine derartige Kreuzfahrt also w├Ąrmstens empfohlen!

Abschlie├čend sei noch gesagt, dass Schiffsschwankungen durchaus lustig sind. Gemeinhin kennt man das allerdings schon von diversen Promille Blutalkohol. Das geradeaus-gehen ist ├╝brigens auch n├╝chtern nicht leichter.

9. November 2007: Reisewirren

Nachdem der Flug in der letzten Woche bereits ausgefallen ist, sollte es am Donnerstag also endlich losgehen. Mit einem Ersatz-Reisepass bewaffnet ging es morgens also los zum Hannoverschen Flughafen. ├ťbrigens einer der angenehmeren auf der Welt, wie ich den Tag mal wieder feststellt durfte ÔÇô klein genug um gem├╝tlich und gem├Ąchlich alles angehen zu k├Ânnen, aber dabei gro├č genug um bequem ├╝berall hinzukommen. So st├Ârte es mich auch nicht weiter, dass ich bereits zwei Stunden vor Abflug da sein sollte.

Im Gegenteil: Einmal angekommen und zum Check-In durchgek├Ąmpft stellte ich recht schnell fest, dass es sogar eine gute Idee war sehr fr├╝hzeitig aufzubrechen. Die Lufthansa hat an dem Tag wohl eine neue Software f├╝r den Check-In freigeschaltet und so kam es, dass die Mitarbeiter ein wenig umst├Ąndlich vorgingen und dabei von ÔÇô scheinbaren ÔÇô Support-Leuten beobachtet wurden. Leider verhalf mir diese Unterst├╝tzung auch nicht zu meinem Ticket von Z├╝rich nach Miami: Man k├Ânne mir leider nur das Ticket von Hannover nach Z├╝rich ausgeben, da die Swiss auf dem Ticket des Anschlussflugs ein Sperrkennzeichen gesetzt habe. Und so durfte ich dann ohne weiterf├╝hrendes Ticket zun├Ąchst nach Z├╝rich starten.

Einmal dort angekommen hatte ich denn auch schon zwanzig Minuten Versp├Ątung. Bei gerade einmal 90 Minuten Umsteigezeit kamen hier schon erste Stress-Symptome auf. Immerhin brauchte ich mich nicht um mein Gep├Ąck k├╝mmern und konnte direkt den ersten Swiss-Schalter ansteuern um dort mein Ticket f├╝r den Weiterflug abzuholen. Zu meiner Zufriedenheit gab es dort auch keinerlei Schlangen und ich konnte z├╝gig meinem Begehren Ausdruck verleihen. Und zwar vornehmlich der 15-j├Ąhrigen Tochter einer Swiss-Angestellten. An diesem Tag war offensichtlich Mutter-Kind-Tag in der Schweiz und alles wimmelte von kleinen Kindern die ihrer Mutter bei ihrer t├Ąglichen Arbeit ├╝ber die Schulter schauten und tatkr├Ąftig mit halfen. So knuffig das auch ist, trug es leider nicht zur Beruhigung meiner Nerven bei. Eher im Gegenteil. Doch hier sollte alles schnell und vor allem glatt gehen: Nachdem mein Reisepass eingegeben (manuell, weil der Scanner nicht funktionierte) und mein Ticket gefunden war, musste nur noch fix das Ticket ausgedruckt werden (an einem anderen Platz, weil der Drucker scheinbar nicht ging). Bewaffnet mit diesem Ticket raste ich nun in Richtung Gate ÔÇô bei Transatlantik-Fl├╝gen gibt es schlie├člich seit einiger Zeit immer einen zweiten Security-Check, durch den ich auch erstmal noch durch musste.

Bei eben jenem zweiten Check angekommen musste ich mich brav in der Schlange einreihen ÔÇô obwohl laut Ticket die Check-In Zeit bereits abgelaufen war und das Boarding schon begonnen hatte. In etwa zu dieser Zeit viel mir dann auch auf, dass auf dem Ticket der falsche Name stand! Scheinbar hat die Dame beim Schalter das falsche Ticket ausgedruckt. Aber immerhin war es derselbe Flug, so das ich durch den Sicherheits-Check problemlos durchkommen konnte. Endlich am Gate angekommen machte ich die Damen dort auf das Versehen aufmerksam. Mit einer gewissen Bleiche im Gesicht nahmen sie mir z├╝gig mein Ticket ab und druckten mir ein neues ÔÇô meines ÔÇô aus. Leider wollten sie mich damit immer noch nicht an Bord lassen, denn das Ticket war nicht freigegeben. Ich sollte damit doch bitte zum Transferschalter in der Mitte der Halle gehen. Gehen ist gut, denn in diesem Fall gingen die ersten Passagiere schon an Bord und in 30 Minuten sollte der Flug starten. Ich rannte also zu eben jenem Transfer-Schalter und trug mein Anliegen erneut vor ÔÇô zum dritten Mal.

Hier stellte sich dann heraus, dass das Ticket in der Woche zuvor von der Lufthansa-Hotline scheinbar nicht korrekt umgebucht wurde. Zwar hatte ich einen Sitzplatz reserviert und war auf dem Flug gelistet, das Ticket jedoch war angeblich nicht bezahlt worden. In diesem Moment war ich, nach Hannover, das zweite Mal ziemlich sauer auf die mangelnde Swiss-Lufthansa-Kooperation und brachte das, f├╝r mein Gef├╝hl noch recht gem├Ą├čigt, auch zum Ausdruck. Die Damen dort zeigten Verst├Ąndnis und entlie├čen mich, 15 Minuten vor Abflug, mit dem bereits zuvor gedruckten Ticket wieder Richtung Gate. ├ťber die Zahlungsfragen w├╝rde man sich sp├Ąter k├╝mmern, ich solle erst einmal den Flug antreten. Das war denn auch die erste positive Nachricht des Tages und als ich dann f├╝nf Minuten f├╝r Abflugtermin im Flugzeug sa├č, wurde ich auch wieder entspannter und konnte den durchaus angenehmen Service der Swiss-Stewardessen die gesamten elf Stunden lang genie├čen.

In den USA hingegen lief alles glatt: Es war zwar ziemlich voll, aber der Mann vom Department of Homeland Security war die Freundlichkeit und Person und hatte sogar einen Witz auf den lockeren Lippen. Mal schauen, was auf der Kreditkartenabrechnung stehen wird…

15. September 2007: Miami-ish

Miami Beach, South-Florida. Die Stadt, die im kommenden Jahr mein zu Hause sein soll. Auch wenn ich mithin das vierte Mal hier bin, habe ich dieses Mal eine andere Perspektive auf die Umgebung: Es ist kein richtiger Urlaub mehr, sondern schon eher das Einleben f├╝r n├Ąchstes Jahr. Somit fallen einem auch vollkommen andere Sachen auf, als sonst.

Zum Beispiel das (WIC). WIC ist eine tolle Einrichtung hier in den Staaten – vor allem da man keinerlei andere Unterst├╝tzung des Staates f├╝r seine Kinder erh├Ąlt. Die sogenannten WIC-Checks bekommt man von seinem Arzt und kann damit bestimmte Produkte wie zum Beispiel Milch, Fruchts├Ąfte oder Cereals kaufen. ├ähnlich wie seinerzeit Essensmarken. Dadurch soll gew├Ąhrleistet werden, dass sich Kinder und schwangere Frauen ges├╝nder ern├Ąhren (und damit die Gesundheitskosten gesenkt werden). Obst oder Gem├╝se jedoch tauchte bislang nicht im Repertoire auf, was sich im n├Ąchsten Jahr jedoch ├Ąndern soll. Jedenfalls theoretisch, denn die Bush-Regierung hat den entsprechenden Posten im Budget f├╝r 2008 um US-$ 145 Mio. gek├╝rzt.

Aber es gibt auch ganz profane Dinge, die hier irgendwie anders sind:

  • H├Ąnde einziehen: Niedrig h├Ąngende Deckenventilatoren
  • Von Brr bis Uff: Eiskalte Klimaanlagen gegen tropische Sommersonne
  • Gew├Âhnungsbed├╝rftig: Bunte B├╝rgersteige und Rechts-Abbiegen bei Rot
  • Feierabend-Fragen: Zum Strand oder zum Pool?
  • Drei-Min├╝tiges Werbe-Stakkato: 100 TV-Sender und doch immer nur dasselbe
  • Nicht ohne meine Sonnenbrille: Schneeblindheit ohne Schnee.

5. July 2007: ...zu erz├Ąhlen.

R├╝ckfl├╝ge zu verschieben ist ja eine unserer kleinsten Herausforderungen. Und so wurde der Aufenthalt in ├ťbersee auch dieses Mal um eine Woche verl├Ąngert nachdem der Chef telefonisch nichts einzuwenden hatte (wof├╝r man die Wartezeit in einer Schlange – diese spezielle war vor dem Disney-World in Orlando – nutzen kann). Im Gegensatz zum Abflugtermin in Richtung Las Vegas gute vier Wochen zuvor kamen wir dieses Mal auch p├╝nktlich los. Somit war der Check-In auch problemlos und ziemlich unspektakul├Ąr abgehakt. Und da auch weit und breit keinerlei Schlange in Sicht war, viel der Abschied umso langwieriger und schmerzhafter aus. Es gibt einfach keine positiven Seiten daran seine schwangere Ehefrau auf einem anderen Kontinent zur├╝ck zu lassen.

Das Gate zu finden stellte diesmal ├╝brigens auch keine Herausforderung dar und konnte resolut bew├Ąltigt werden. Einmal dort angekommen setzen zwar schon die ersten Gedanken ├╝ber einen etwaigen R├╝ckflug ein, aber da der Flug tats├Ąchlich p├╝nktlich war sollte man sich schon bald wieder auf andere Gedanken bringen k├Ânnen. Und so kam es denn auch, dass das Boarding tats├Ąchlich p├╝nktlich los ging, alle Passagiere zur Abflugzeit in der Kabine sa├čen und die T├╝ren auch prompt geschlossen werden konnten. Auf die Sekunde p├╝nktlich f├╝r eines jener lokalen Gewitter in Miami, die so stark ausfallen das auch ein Flughafen gesperrt werden muss. In diesem Fall f├╝r lange sechzig Sekunden.

Regen in Miami

Auf diese Weise wurde die Wartezeit im Umsteige-Flughafen Philadelphia ein wenig k├╝rzer – statt vier nur noch drei Stunden. Was wiederum sehr gut ist, da ich diverse Flashbacks zu dem Umsteigen w├Ąhrend meines Hinflugs hatte. Und ein am Telefon weinendes Kind, dass heiser ÔÇťBut I want you back!ÔÇť ins Telefon schluchzt bringt einen auch nicht auf positivere Gedanken. Immerhin ging der Anschlussflug nach Frankfurt ├╝berp├╝nktlich zum Boarding ├╝ber und startete daf├╝r versp├Ątet wegen fehlender Passagiere. Was allerdings nicht viel ausmachte da ich es tats├Ąchlich einmal geschafft habe im Flugzeug zu schlafen – und zwar die komplette Strecke. Auf dem Weg von Hawaii nach Miami h├Ątte ich auch soviel Gl├╝ck n├Âtig gehabt.

Einmal auf deutschem Boden angekommen musste ich schon ganz unbewusst auf die unterschiedlichen Mentalit├Ąten achten. Abgesehen von vielen Kleinigkeiten ist mir vor allem der Z├Âllner im Ged├Ąchtnis haften geblieben: Wo in den USA jeder freundlich ist und einen nur dann grimmig anschaut um etwas damit zu bewirken schien der deutsche Beamte dort am Schalter vor mir von seiner Arbeit derma├čen ange├Âdet zu sein das er sich nicht einmal zu einem direkten Augenkontakt durchringen konnte. Das also ist mein Heimatland und es scheint wirklich froh zu sein mich zur├╝ck zu haben.

Was also tut man in einer Heimat, in der man sich ziemlich fehl am Platze f├╝hlt? Richtig, man f├Ąhrt irgendwo hin um sich abzulenken. In diesem Fall ist die Wahl dann auch auf Hannover gefallen. Da es Freitag ist sollte das auch kein Problem darstellen – und so ging es direkt zum Bahnhof in Frankfurt und von dort aus gen Hildesheim, wo ein Privattaxi auf mich warten sollte um mich nach Hannover zu bringen. Die ersten Stunden waren dann auch damit voll gestopft viele Leute anzurufen und das ein oder andere Wiedersehen in Hannover zu organisieren. Vor allem auf das Essen im Bord-Restaurant habe ich mich dabei gefreut – doch das war leider ein wenig zu fr├╝h. Wie ich bereits in Miami mitbekommen hatte, gab es diverse Streik-Szenarien bei der Deutschen Bahn. Unter diesen Gesichtspunkten war ich ja schon froh, dass mein ICE ├╝berhaupt fuhr und dazu auch noch p├╝nktlich war! Doch kaum hatte ich mich auf der reichhaltigen Karte f├╝r ein Mittagsmen├╝ entschieden, wurde auch schon bekannt, dass es gar nichts mehr zu Essen gab. Da hat wohl irgendjemand gestreikt. Und so sollte denn auch das Eiersandwich vom Vortag das letzte sein, was sich bis zum Abend gegessen haben sollte.

Doch so richtig in Deutschland angekommen bin ich dann wirklich erst in Hildesheim, als ich bei 15┬░C im Regen auf der Stra├če stand und auf mein (versp├Ątetes) Taxi gewartet habe: Ein Provinznest bei typischen Wetter mitten im Sommer holte mich recht schnell wieder auf den hiesigen Boden der Tatsachen zur├╝ck. Es war, als ob man nie weg gewesen w├Ąre.