10. April 2009: Quack-Quack

Es gibt hier in Miami Beach so eine Tourie-Tour namens Duck Tours. Sie ist toll, sagt man. Und lohnenswert, sagt man. Allein, wir hatten bis dato immer ungünstige Umstände: Keine freien Parkplätze, zu flaches Wasser, keine freien Tickets, zu spätes Ankommen durch Stau und (mein Favorit) eine kaputte Batterie am entsprechenden Bus/Schiff. Doch heute war alles anders: Es ging los!

Ohne zu viel zu verraten (der ein oder andere Leser will die Tour ja vielleicht auch mal mitmachen) sei gesagt, dass diese schrillen Leutchen einen nicht nur unterhalten, sondern einem auch echt eine Menge zu erzählen haben. Der 90 Minuten während Ausflug zu Lande und zu Wasser verging so auch wie im Fluge. Und dazugelernt habe ich auch noch was: Auf Star Island) habe ich ein paar durchaus bekannte Nachbarn!

3. Januar 2009: Die Geräusche der Stadt

…sind in New York besonders laut. Was man allerdings auch sehr gut nachvollziehen kann, denn diese Stadt ist einfach nur gross riesig. Um nicht zu sagen überwältigend. Ungleich aller anderer US-Städte, die ich bislang gesehen habe, wirkt sie dabei kein Stück künstlich. Das mag vor allem daran liegen, dass sie mit Abstand die älteste Stadt auf diesem Kontinent ist, die ich bislang besucht habe. Faszinierend und einschüchternd zugleich.

New York (Brooklyn)

Zu sehen ist das auch allenthalben, vor allem abseits der üblichen Routen. In den Seitenstraßen der Upper West Side gibt es durchaus Straßenzüge, die an den Charakter so mancher europäischer Großstadt erinnern. Auf erstaunlich engem Raum zusammen gestaucht gelangt man so mit wenigen Schritten von Madrid nach London.

Die Menschen, die hier leben, sind hingegen alles andere als idyllische Abbilder ihrer europäischen Ahnen. Das der gemeine New Yorker ein eingebildeter, rücksichtsloser Egomane ist, wurde einem ja bereits durch diverse Filme (im letzten Jahr auch vermehrt durch die Nachrichten von der Wall Street) versinnbildlicht. Aber in der Realität sind Taxifahrer, die beim Rückwärts-fahren trotz anwesender Polizei keine Rücksicht auf Kinderwagen nehmen, doch noch weit erschreckender. Oder die Mutter, die, nachdem wir bereits zehn Minuten mit Bauklötzen im Kindermuseum gespielt haben, mit ihren beiden Kindern auftaucht und meint, man solle gefälligst Platz machen da sie schon vorher dort gespielt hätten – es gab noch weitaus mehr unbesetzte Kisten mit Bauklötzen.

Trotzdem ist New York eine beeindruckende Stadt, deren Besuch ich jedem auch nur halbwegs metrophilen Menschen nur empfehlen kann. Allerdings am besten nicht im Winter, denn wenn der New Yorker sagt es sei kalt, dann meint er das wirklich. Und das gilt nicht nur für verwöhnte Floridians.

31. Mai 2008: Cruisin'

Ich war ja nun letztens auf einer Kreuzfahrt in die Karibik. Eigentlich das erste Anzeichen dafür, dass man wirklich alt ist – auch wenn sich neuerdings immer jüngere Generationen diesem nautischen Vergnügen hingeben. In diesem speziellen Fall gehörten wir jedoch genau in die Zielgruppe: Es war eine Disney Cruise mit entsprechend vielen Kindern und Eltern an Bord.

Dennoch profitiert man auf so einer Kreuzfahrt doch endlich mal vom deutschen Rentensystem (alter Zeiten). Besteht das Bordpersonal nämlich zumeist aus Leuten der zweiten Welt, sind sämtliche Bordprospekte (sogar die Bad-Utensilien) in vorzügliches Deutsch übersetzt – dem Weltmeister im Reisen wird demnach entsprechend gehuldigt.

Der Vorteil einer Disney Cruise liegt für die Eltern dabei klar auf der Hand: Man kann die Kinder in professionelle Obhut übergeben um ruhig und entspannt Cocktails am Erwachsenen-Pool genießen zu können. Alternativ kann man auch die Füße im Sand des Erwachsenen-Strands vergraben. Dem ab-18-Bereich kommt dabei eine ganz andere Bedeutung zu. Und so ganz nebenbei kommt man dadurch noch in den Genuss einer privaten Insel mit dazugehörigem Disney-Park: Castaway Cay. Eltern sei eine derartige Kreuzfahrt also wärmstens empfohlen!

Abschließend sei noch gesagt, dass Schiffsschwankungen durchaus lustig sind. Gemeinhin kennt man das allerdings schon von diversen Promille Blutalkohol. Das geradeaus-gehen ist übrigens auch nüchtern nicht leichter.

9. November 2007: Reisewirren

Nachdem der Flug in der letzten Woche bereits ausgefallen ist, sollte es am Donnerstag also endlich losgehen. Mit einem Ersatz-Reisepass bewaffnet ging es morgens also los zum Hannoverschen Flughafen. Übrigens einer der angenehmeren auf der Welt, wie ich den Tag mal wieder feststellt durfte – klein genug um gemütlich und gemächlich alles angehen zu können, aber dabei groß genug um bequem überall hinzukommen. So störte es mich auch nicht weiter, dass ich bereits zwei Stunden vor Abflug da sein sollte.

Im Gegenteil: Einmal angekommen und zum Check-In durchgekämpft stellte ich recht schnell fest, dass es sogar eine gute Idee war sehr frühzeitig aufzubrechen. Die Lufthansa hat an dem Tag wohl eine neue Software für den Check-In freigeschaltet und so kam es, dass die Mitarbeiter ein wenig umständlich vorgingen und dabei von – scheinbaren – Support-Leuten beobachtet wurden. Leider verhalf mir diese Unterstützung auch nicht zu meinem Ticket von Zürich nach Miami: Man könne mir leider nur das Ticket von Hannover nach Zürich ausgeben, da die Swiss auf dem Ticket des Anschlussflugs ein Sperrkennzeichen gesetzt habe. Und so durfte ich dann ohne weiterführendes Ticket zunächst nach Zürich starten.

Einmal dort angekommen hatte ich denn auch schon zwanzig Minuten Verspätung. Bei gerade einmal 90 Minuten Umsteigezeit kamen hier schon erste Stress-Symptome auf. Immerhin brauchte ich mich nicht um mein Gepäck kümmern und konnte direkt den ersten Swiss-Schalter ansteuern um dort mein Ticket für den Weiterflug abzuholen. Zu meiner Zufriedenheit gab es dort auch keinerlei Schlangen und ich konnte zügig meinem Begehren Ausdruck verleihen. Und zwar vornehmlich der 15-jährigen Tochter einer Swiss-Angestellten. An diesem Tag war offensichtlich Mutter-Kind-Tag in der Schweiz und alles wimmelte von kleinen Kindern die ihrer Mutter bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauten und tatkräftig mit halfen. So knuffig das auch ist, trug es leider nicht zur Beruhigung meiner Nerven bei. Eher im Gegenteil. Doch hier sollte alles schnell und vor allem glatt gehen: Nachdem mein Reisepass eingegeben (manuell, weil der Scanner nicht funktionierte) und mein Ticket gefunden war, musste nur noch fix das Ticket ausgedruckt werden (an einem anderen Platz, weil der Drucker scheinbar nicht ging). Bewaffnet mit diesem Ticket raste ich nun in Richtung Gate – bei Transatlantik-Flügen gibt es schließlich seit einiger Zeit immer einen zweiten Security-Check, durch den ich auch erstmal noch durch musste.

Bei eben jenem zweiten Check angekommen musste ich mich brav in der Schlange einreihen – obwohl laut Ticket die Check-In Zeit bereits abgelaufen war und das Boarding schon begonnen hatte. In etwa zu dieser Zeit viel mir dann auch auf, dass auf dem Ticket der falsche Name stand! Scheinbar hat die Dame beim Schalter das falsche Ticket ausgedruckt. Aber immerhin war es derselbe Flug, so das ich durch den Sicherheits-Check problemlos durchkommen konnte. Endlich am Gate angekommen machte ich die Damen dort auf das Versehen aufmerksam. Mit einer gewissen Bleiche im Gesicht nahmen sie mir zügig mein Ticket ab und druckten mir ein neues – meines – aus. Leider wollten sie mich damit immer noch nicht an Bord lassen, denn das Ticket war nicht freigegeben. Ich sollte damit doch bitte zum Transferschalter in der Mitte der Halle gehen. Gehen ist gut, denn in diesem Fall gingen die ersten Passagiere schon an Bord und in 30 Minuten sollte der Flug starten. Ich rannte also zu eben jenem Transfer-Schalter und trug mein Anliegen erneut vor – zum dritten Mal.

Hier stellte sich dann heraus, dass das Ticket in der Woche zuvor von der Lufthansa-Hotline scheinbar nicht korrekt umgebucht wurde. Zwar hatte ich einen Sitzplatz reserviert und war auf dem Flug gelistet, das Ticket jedoch war angeblich nicht bezahlt worden. In diesem Moment war ich, nach Hannover, das zweite Mal ziemlich sauer auf die mangelnde Swiss-Lufthansa-Kooperation und brachte das, für mein Gefühl noch recht gemäßigt, auch zum Ausdruck. Die Damen dort zeigten Verständnis und entließen mich, 15 Minuten vor Abflug, mit dem bereits zuvor gedruckten Ticket wieder Richtung Gate. Über die Zahlungsfragen würde man sich später kümmern, ich solle erst einmal den Flug antreten. Das war denn auch die erste positive Nachricht des Tages und als ich dann fünf Minuten für Abflugtermin im Flugzeug saß, wurde ich auch wieder entspannter und konnte den durchaus angenehmen Service der Swiss-Stewardessen die gesamten elf Stunden lang genießen.

In den USA hingegen lief alles glatt: Es war zwar ziemlich voll, aber der Mann vom Department of Homeland Security war die Freundlichkeit und Person und hatte sogar einen Witz auf den lockeren Lippen. Mal schauen, was auf der Kreditkartenabrechnung stehen wird…

15. September 2007: Miami-ish

Miami Beach, South-Florida. Die Stadt, die im kommenden Jahr mein zu Hause sein soll. Auch wenn ich mithin das vierte Mal hier bin, habe ich dieses Mal eine andere Perspektive auf die Umgebung: Es ist kein richtiger Urlaub mehr, sondern schon eher das Einleben für nächstes Jahr. Somit fallen einem auch vollkommen andere Sachen auf, als sonst.

Zum Beispiel das (WIC). WIC ist eine tolle Einrichtung hier in den Staaten – vor allem da man keinerlei andere Unterstützung des Staates für seine Kinder erhält. Die sogenannten WIC-Checks bekommt man von seinem Arzt und kann damit bestimmte Produkte wie zum Beispiel Milch, Fruchtsäfte oder Cereals kaufen. Ähnlich wie seinerzeit Essensmarken. Dadurch soll gewährleistet werden, dass sich Kinder und schwangere Frauen gesünder ernähren (und damit die Gesundheitskosten gesenkt werden). Obst oder Gemüse jedoch tauchte bislang nicht im Repertoire auf, was sich im nächsten Jahr jedoch ändern soll. Jedenfalls theoretisch, denn die Bush-Regierung hat den entsprechenden Posten im Budget für 2008 um US-$ 145 Mio. gekürzt.

Aber es gibt auch ganz profane Dinge, die hier irgendwie anders sind:

  • Hände einziehen: Niedrig hängende Deckenventilatoren
  • Von Brr bis Uff: Eiskalte Klimaanlagen gegen tropische Sommersonne
  • Gewöhnungsbedürftig: Bunte Bürgersteige und Rechts-Abbiegen bei Rot
  • Feierabend-Fragen: Zum Strand oder zum Pool?
  • Drei-Minütiges Werbe-Stakkato: 100 TV-Sender und doch immer nur dasselbe
  • Nicht ohne meine Sonnenbrille: Schneeblindheit ohne Schnee.

5. Juli 2007: ...zu erzählen.

Rückflüge zu verschieben ist ja eine unserer kleinsten Herausforderungen. Und so wurde der Aufenthalt in Übersee auch dieses Mal um eine Woche verlängert nachdem der Chef telefonisch nichts einzuwenden hatte (wofür man die Wartezeit in einer Schlange – diese spezielle war vor dem Disney-World in Orlando – nutzen kann). Im Gegensatz zum Abflugtermin in Richtung Las Vegas gute vier Wochen zuvor kamen wir dieses Mal auch pünktlich los. Somit war der Check-In auch problemlos und ziemlich unspektakulär abgehakt. Und da auch weit und breit keinerlei Schlange in Sicht war, viel der Abschied umso langwieriger und schmerzhafter aus. Es gibt einfach keine positiven Seiten daran seine schwangere Ehefrau auf einem anderen Kontinent zurück zu lassen.

Das Gate zu finden stellte diesmal übrigens auch keine Herausforderung dar und konnte resolut bewältigt werden. Einmal dort angekommen setzen zwar schon die ersten Gedanken über einen etwaigen Rückflug ein, aber da der Flug tatsächlich pünktlich war sollte man sich schon bald wieder auf andere Gedanken bringen können. Und so kam es denn auch, dass das Boarding tatsächlich pünktlich los ging, alle Passagiere zur Abflugzeit in der Kabine saßen und die Türen auch prompt geschlossen werden konnten. Auf die Sekunde pünktlich für eines jener lokalen Gewitter in Miami, die so stark ausfallen das auch ein Flughafen gesperrt werden muss. In diesem Fall für lange sechzig Sekunden.

Regen in Miami

Auf diese Weise wurde die Wartezeit im Umsteige-Flughafen Philadelphia ein wenig kürzer – statt vier nur noch drei Stunden. Was wiederum sehr gut ist, da ich diverse Flashbacks zu dem Umsteigen während meines Hinflugs hatte. Und ein am Telefon weinendes Kind, dass heiser “But I want you back!“ ins Telefon schluchzt bringt einen auch nicht auf positivere Gedanken. Immerhin ging der Anschlussflug nach Frankfurt überpünktlich zum Boarding über und startete dafür verspätet wegen fehlender Passagiere. Was allerdings nicht viel ausmachte da ich es tatsächlich einmal geschafft habe im Flugzeug zu schlafen – und zwar die komplette Strecke. Auf dem Weg von Hawaii nach Miami hätte ich auch soviel Glück nötig gehabt.

Einmal auf deutschem Boden angekommen musste ich schon ganz unbewusst auf die unterschiedlichen Mentalitäten achten. Abgesehen von vielen Kleinigkeiten ist mir vor allem der Zöllner im Gedächtnis haften geblieben: Wo in den USA jeder freundlich ist und einen nur dann grimmig anschaut um etwas damit zu bewirken schien der deutsche Beamte dort am Schalter vor mir von seiner Arbeit dermaßen angeödet zu sein das er sich nicht einmal zu einem direkten Augenkontakt durchringen konnte. Das also ist mein Heimatland und es scheint wirklich froh zu sein mich zurück zu haben.

Was also tut man in einer Heimat, in der man sich ziemlich fehl am Platze fühlt? Richtig, man fährt irgendwo hin um sich abzulenken. In diesem Fall ist die Wahl dann auch auf Hannover gefallen. Da es Freitag ist sollte das auch kein Problem darstellen – und so ging es direkt zum Bahnhof in Frankfurt und von dort aus gen Hildesheim, wo ein Privattaxi auf mich warten sollte um mich nach Hannover zu bringen. Die ersten Stunden waren dann auch damit voll gestopft viele Leute anzurufen und das ein oder andere Wiedersehen in Hannover zu organisieren. Vor allem auf das Essen im Bord-Restaurant habe ich mich dabei gefreut – doch das war leider ein wenig zu früh. Wie ich bereits in Miami mitbekommen hatte, gab es diverse Streik-Szenarien bei der Deutschen Bahn. Unter diesen Gesichtspunkten war ich ja schon froh, dass mein ICE überhaupt fuhr und dazu auch noch pünktlich war! Doch kaum hatte ich mich auf der reichhaltigen Karte für ein Mittagsmenü entschieden, wurde auch schon bekannt, dass es gar nichts mehr zu Essen gab. Da hat wohl irgendjemand gestreikt. Und so sollte denn auch das Eiersandwich vom Vortag das letzte sein, was sich bis zum Abend gegessen haben sollte.

Doch so richtig in Deutschland angekommen bin ich dann wirklich erst in Hildesheim, als ich bei 15°C im Regen auf der Straße stand und auf mein (verspätetes) Taxi gewartet habe: Ein Provinznest bei typischen Wetter mitten im Sommer holte mich recht schnell wieder auf den hiesigen Boden der Tatsachen zurück. Es war, als ob man nie weg gewesen wäre.

19. Juni 2007: ...eine Menge...

Sonntag, 21:36 – Lihu’e
Was ein Tag – heute früh mussten wir unser Zimmer räumen. Und unser Flug geht erst in einigen Minuten los. Der Tag war somit also schon entsprechend lang, was sich jetzt langsam bemerkbar macht. Vielleicht war die Idee heute Vormittag noch auf eine Klettertour zu gehen auch nicht unbedingt das passendste wenn man bedenkt das man in der Zwischenzeit keine Möglichkeit hat sich nochmal richtig unter eine Dusche zu stellen – aber was soll’s, immerhin hat es Spaß gemacht. Der Check-In am Flughafen ging übrigens wiederum gewohnt routiniert vonstatten. Diesmal auch wieder mit ein paar Einlagen des Flughafen-Zeitvertreibs Nummer Eins: Schlange-stehen. In Summe waren es vielleicht 45 Minuten. Damit nimmt Lihu’e einen mehr oder minder guten Platz in der Mitte ein. Einziges Manko war diesmal das Einkassieren meines Deos, der Zahnpasta und meines Parfums: Ich habe vergessen die drei Dinge, die zudem auch schon wie gefordert in einem durchsichtigen Beutel waren, aus meinem Rucksack zu nehmen. Das viel natürlich auch sofort auf. Doch anstatt den Beutel nochmals durch das Röntgengerät zu schicken (wie es mir bereits in Stuttgart passiert ist), wurden die drei Dinge einfach einbehalten. Man meinte es wäre ja ansonsten Schmuggel. Nunja, meine werte Frau meinte sie würden mein Parfum einfach nur behalten wollen.

Sonntag, 22:58 – Irgendwo über dem Pazifik
Mein Schicksal nicht in Autos, Zügen oder eben Flugzeugen schlafen zu können holt mich wieder ein. Ich bin müde – reichlich müde und würde vermutlich in jedem Bett innerhalb von Sekunden in den Schlaf fallen. Doch hier kann ich nur zwischen meiner schlafenden Familie sitzen und mich anderweitig beschäftigen. Nicht unbedingt die leichtestes Aufgabe wenn man noch drei Stunden Flug vor sich hat und selbst die Stewardessen hinter mir liegen und Schlafen. Immerhin kommt so die werte Leserschaft zu einem kleinen Update. Ich bin schon gespannt wie sich die insgesamt sechs Stunden Zeitversatz zusammen mit einem Schlafmangel auswirken werden. Das dürfte eine gute Probe für den Flug zurück über den Atlantik in anderthalb Wochen abgeben.

Montag, 07:13 – Los Angeles
Wo kommen um diese Uhrzeit all die Menschen her? Da denkt man sich es wäre eine gute und passende Idee den zweistündigen Zwischenstop für eine aufmunternde Tasse Kaffee zu nutzen, und dann macht die Schlange am Schalter von Starbucks denjenigen auf der Expo Konkurenz (zu Zeiten mit Besuchern, wohlgemerkt). Diese Schlange jedenfalls darf sich aus zweierlei Gründen nicht in den Flughafen-Vergleich einreihen: Zum einen hatte sich optionalen Charakter und zum anderen habe ich sie ausgelassen. Allerdings scheint es hier heute auch eine sehr imposante Schlange zu geben, nämlich der beim Security-Check. Etliche Flüge gehen mit fehlenden Passagieren oder Verspätung weg weil diese, so zumindest die Aussage eines mitleidenden Passagiers, in eben jener Schlange festhängen. Sei’s drum, für uns ist kein Schlange-stehen drin an diesem Flughafen.

Montag, 11:08 – Irgendwo über den USA
Meine Launa hat sich in den letzten drei Stunden dieses Fluges erheblich gebessert. An Schlaf war zwar immer noch nicht zu denken, aber ich war zumindest sehr erfolgreich am dösen. Eine gern gesehene Erholung, wie ich bereitwillig eingestehe. An Schlaf war schon allein des schreienden Babys drei Reihen und des plärrenden DVD-Spielers zwei Reihen vor uns nicht zu denken.

Montag, 18:43 – Miami
Der Tag nimmt einfach kein Ende. Auf Kaua’i ist es jetzt schon wieder12:43h und ich habe bislang keine Minute schlafen können. Vor 24 Stunden sind wir gerade den Kalalau-Pfad hoch-gekraxelt und jetzt bin ich tausende von Kilometern entfernt auf einer anderen Seite der Erde. Und die sechs Stunden Jetlag schlagen erst ab morgen zu. Immerhin verlief der Flug hierher problemlos. Die Koffer kamen mit als erste auf dem Förderband angefahren und Elena, die so nett war uns am Flughafen abzuholen, war auch bald da. So sitzen wir jetzt hier in Miami Beach und bereiten uns auf eine hoffentlich erholsame Nacht vor, denn morgen früh um 8:00h klingelt schon wieder der Wecker – die ersten Termine warten direkt am morgigen Tag auf uns.

17. Juni 2007: Aloha!

Das ist also dieses Hawai’i, von dem alle reden. Um genau zu sein ist es mitnichten Hawai’i im Sinne von Honululu (das ist auch eher auf Oah’u), sondern Kaua’i. Kaua’i wird auch “The Garden Island” genannt. Warum das so ist erfährt man auch schon beim Anflug auf die Insel: Sie ist grün – Urwald-Grün. Allerdings muss man mit ihr erst ein wenig warm werden. Vielleicht liegt das aber auch daran, wie unsere ersten 24 Stunden hier verlaufen sind. Denn in denen wurden wir nicht nur im Supermarkt über den Tisch gezogen (den Preise nach zu urteilen scheint es sich bei Princeville entweder um eine Touristen-Hochburg oder einen Millionärs-Club zu handeln) und bei der “Island Orientation” in eine anderthalb-stündige Verkausveranstaltung für Ausflüge gelotst (bei der Sandra um ihren Gewinn eines Segelboot-Ausflugs gebracht wurde), sondern es fehlte auch einer dieser umwerfenden Momente, in denen einem der Mund offen stehen bleibt und man einfach nur staunen kann (den gab es zum Beispiel in San Francisco als wir morgens aus dem Hotel gekommen sind und realisiert haben wo wir sind). Und die Hoola-Mädchen fehlten auch!

Dabei hat die Insel durchaus viel zu bieten. Hier gibt es wunderbare Strände, wie aus dem Bilderbuch, an denen weißer, feiner Sand den blauen Pazifik in wunderschönen Buchten umrandet und Palmen und andere Bäume einem direkt am Strand Schatten spenden. Es gibt alle Arten von Sportangeboten (die allerdings für meinen Geschmack zu sehr vermarktet werden). Und es gibt zahlreiche Wasserfälle, nicht nur in den grünen Bergen. Die vielen Vögel (vor allem Hühner, die frei herumlaufen und einen Morgens wecken) und die ausgeprägte, imposante Flora zusammen mit den wirklich schönen Panoramen sind übrigens das, was den Charakter dieser Insel denn auch ausmachen. Ich habe noch nirgends zuvor so viele verschiedene Arten von Pflanzen und Tieren auf einen Haufen gesehen. Und auch das Wetter passt sich dabei sehr gut ein: Es gibt Regen bei Sonnenschein, Regenbögen ohne Regen, Regen ohne Wolken und natürlich auch strahlend-blauen Himmel bei vollem Sonnenschein. Dabei ist das Wetter nicht nur sehr vielfältig, man hat auch das Gefühl das es sich mit jedem Meter ändert, den man sich bewegt.

Das interessanteste und kurzweiligste war allerdings das Wandern. Dabei sind wir bei einem Ausflug zu dem Waimea-Canyon eher zufällig auf den Pihea-Pfad gestossen, der direkt beim Pu’u o Kila-Aussichtspunkt beginnt. Der gerade mal eine Meile lange Weg (circa 1,8 km) ging dabei über einen Berg-Grat zu einem wirklich atemberaubenden Aussichtspunkt auf etlichen Fuß Höhe. Normaler Weise soll man von hier aus einen umwerfenden Ausblick auf den östlichen Teil der Insel und den Pazikfik haben, aber zu meinem Glück wurde die Aussicht auf dem Hinweg durch etliche Wolken verbaut, die sich teils unter und teils direkt auf dem Weg türmten. So konnte ich meiner Höhenangst ein Schnippchen schlagen und den Weg ohne weiche Knie abwandern.

Einen Quoten-Strandtag gab es aber auch. Schließlich kann man ja nicht einfach auf eine Insel mitten im Pazifik (um die halbe Erde herum!) fliegen ohne zumindest einmal in den Fluten geschwommen zu sein. Zumal mein Name auf Hawai’ianisch soviel wie Meer heißt. Und wie Murphy es schon so treffend beschrieben hat, war das auch der einzige Tag, an dem ich mich nicht komplett mit Sonnencreme eingeschmiert habe. Das übliche Schicksal der Deutschen auf Sonnen-Urlaub wollte ich dann zwar noch mit einer weiteren, nachträglichen Portion Sonnen-Blocker auf den zuvor ausgesparten Körperteilen abwenden, aber Murphy wusste schon was er schrieb und so habe ich nun auf den Schultern einen ziemlich unlustigen (wenn auch nicht wirklich schwerwiegenden) Sonnenbrand. Immerhin gab es ein interessantes Muster ab.

Wem also kann ich nun diese Insel empfehlen? Im Prinzip all jenen, die auch Madeira toll finden. Ich selbst war dort zwar noch nicht, hatte mich mit der Portugiesischen Insel im Atlantik aber bereits vor einigen Jahren beschäftigt. Und was ich von dem dortigen Angebot noch in Erinnerung habe (Wandern, immergrüne Fauna, eine einzige Straße rund um die Insel) kann es dort nicht alzu viel anders sein. Abgesehen vom Flair vielleicht. Aber eine amerikanisierte Sonnen-Insel ist schließlich auch nicht jedermanns Sache (scheinbar auch nicht jedem Hawai’ianer, wenn man den “Free Hawai’i”-Stickern auf diversen Autos Glauben schenken darf). Ich für meinen Teil muss sagen, dass es mir diese Insel durchaus angetan hat und ich es mir vorstellen kann in einigen Jahren wieder zu kommen. Dann vielleicht mit einem klareren Ziel vor Augen was es hier alles anzustellen gibt.

10. Juni 2007: ...und seine Familie...

08:02 – San Francisco
Neue Stadt, neuer Flughafen. Nach den Erfahrungen des Fluges von Miami nach Las Vegas sind wir diesmal schon ein wenig früher losgefahren – circa eine Stunde früher. Dafür ist man jetzt zwar entspannter, aber reichlich müde. Und spannend bleibt es auch diesmal: Der Check-In für den Anschlussflug von Honolulu nach Kaua’i hat für einen der drei Passagiere nicht geklappt. Mal schauen was die Damen auf Hawaii dazu sagen werden, wenn wir erst einmal da sind. Aber da wir dort gute vier Stunden Aufenthalt haben werden, sollte auch das eher eine Abwechslung denn eine stressige Nebenaufgabe darstellen. Es gab hier jedenfalls überhaupt keine Schlangen zum anstehen, und das ganz ohne das zu-spät-kommen aus Miami. Langweilig.

12:06 – Irgendwo über dem Pazifik
Gestern habe ich den Pazifik das erste Mal gesehen und heute schon werde ich ihn zur Hälfte überqueren. Auf der Karte sieht das nach einer ziemlich weiten Strecke aus. Und auch der Flug ist nicht der kürzeste. Aber die fünf Stunden stehen in guter Konkurrenz zum Flug nach Vegas und können mit einem Trans-Atlantik-Flug dann doch nicht mithalten. Nichtsdestotrotz bin ich auf Hawai’i ziemlich gespannt. Vor allem was die Sonne zu bieten hat. Denn der gestrige Tag hat mir eine Lektion gelernt: Man kann auch beim Frieren einen Sonnenbrand bekommen (nicht witzig).

12:25 (15:25) – Honolulu, Oha’u
Aloha! Endlich ist es wieder warm. Der erste Schritt aus dem Flugzeug auf die Insel ist schon als solcher sehr exotisch. Wie mein Arzt erst letztens mit leuchtenden Augen sagte: “Honolulu! Schon allein der Name!” Recht hatte er. Und meine Uhr geht – Dank der 12-stündigen Zeitverschiebung – auch wieder richtig. Lustig an diesem Flughafen ist jedenfalls, dass die Verbindungsgänge zwischen den einzelnen Terminals nicht etwa wie überall sonst verglast sind, sondern offen. So hat man hier tatsächlich die Gelegenheit direkt neben einem Flugzeug zu sitzen – und kann es vermutlich sogar anspucken. Das Ticket zu bekommen war sehr unspektakulär: Man hat es uns einfach ausgedruckt. Nachdem wir dann leider doch nicht auf den ersten Flug nach Kaua’i gekommen sind, sitzen wir jetzt am Flughafen und genießen die Aussicht auf das Flugfeld während wir auf unseren Anschlussflug warten. Wiederum ohne Schlangen.

14:52 – Lihu’e, Kaua’i
Jurassic Parc und Lost waren die ersten Vergleiche, die mir beim Anblick der Insel einfielen. Es ist ein grünes Stück Dschungel mitten im himmelblauen Pazifik. Aber dennoch muss gesagt werden: Man hat uns um den Blumenkranz betrogen. Ich meine mich erinnern zu können vor nicht alzu langer Zeit noch gelesen zu haben das jeder Ankommende einen dieser berühmten Blumenkränze zur Begrüßung bekommt. Wir leider nicht. Immerhin, ein wenig Abwechslung kam in Honolulu dann doch noch rein: Wir haben einen der früheren Flüge noch als Stand-By Passagiere bekommen – sehr spontan im Sinne von innerhalb einiger Sekunden. Zumindest in Bezug auf die einlullende Okulelen-Musik war es recht gut. Denn die wurde am Flughafen langsam aber beständig immer penetranter. Jetzt fehlt uns hier in Lihu’e eigentlich nur noch das Gepäck. Aber das kommt wohl erst mit einer späteren Maschine hinterher.

18:42 – Princeville, Kaua’i
Der Weg vom Flughafen um die halbe Insel herum zu unserem Domizil war wesentlich kürzer als erwartet. Statt der erwartete knappen Stunde haben wir nur circa 20 Minuten benötigt. Das durchaus warme Klima (irgendwo zwischen Las Vegas und Los Angeles anzusiedeln, oder einfacher gesagt: Miami ohne Luftfeuchtigkeit) ist mittlerweile auch sehr angenehm und den ersten Einkaufs-Schock (US-$ 6 für 64 Fl. Oz.) haben wir auch überwunden. Jetzt kann es also mit der Erholung so richtig losgehen. Eine in diese Gefilden denkbar einfache Aufgabe.

9. Juni 2007: ...haben er...

Donnerstag, 16:04 – Kalifornische Ödnis
Knappe vier Tage Tage Las Vegas waren das also. Nachdem die ersten Tage vor allem mit Orientierung und Heiraten vollgestopft waren, konnten wir den gestrigen und heutigen Tag dann also dazu nutzen uns voll und ganz den touristischen Attraktivitäten hin zu geben. Hover Dam, der Strip bei Nacht, Paris, Venetian, Treasure Island, Caesar’s Palace, Belagio und selbstredend unser Hotel, das Luxor: Alle Punkte wurden abgehakt. Abgesehen vom Stratosphere Tower jedenfalls – da hat mir meine Höhenangst dann doch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und nun also sind wir mitten im nirgendwo, auf dem Weg von Las Vegas nach Los Angeles. Es ist, das muss man wirklich so sagen, dass erste Mal das man wirklich merkt das man mitten in der Wüste ist. Auch wenn in Vegas auf den Hotelzimmer die üblichen Schilder darum bitte auf den Wasserverbrauch zu achten und Handtücher mehrmals zu benutzen: Wer sich Swimming Pools und illustre Wasserspiele leisten kann, der kann per Definition nicht unter einer Dürre leiden. Übrigens haben wir das Hotelzimmer heile gelassen, aber die Putzfrauen waren auch zu aufdringlich.

Freitag, 08:48 – Los Angeles
Wer hätte gedacht das es in Kalifornien so kalt ist? Zumindest in den einschlägigen Filmen, von denen man die Stadt ja schon mehr oder minder gut kennt, wird einem durchaus etwas anderes suggeriert. Und die Gegend, in der die Freunde der Braut wohnen bei denen wir heute übernachten, erinnert einen auch an durchaus an das, was man als Los Angeles in diversen Filmen vermittelt bekommt – Reservoir Dogs fällt mir da spontan ein, auch wenn es in diesem speziellen Fall eine durchaus ruhigere Gegend ist. Nach dem kleinen Zwischenstop geht es heute jedenfalls über den Highway 1 gen San Francisco.

Freitag, 12:23 – Highway 1
Kalifornien ist schon eine merkwürdige Gegend. Wir sind jetzt schon circa drei Stunden unterwegs aber die Dunstglocke von Los Angeles liegt immer noch wie ein gelber Film über allem. Die Sichtweite ist miserable auch wenn es ansonsten ein schöner, sonniger Tag ist. Kalt ist es übrigens trotzdem.

Freitag, 17:36 – Highway 1
Auch nach guten acht Stunden des Fahrens ist Kalifornien immer noch ein merkwürdiger Ort. Wenn auch ein schöner. Wir sind durch zahlreiche Gegenden gefahren, die uns an etliche Orte in Europa erinnert haben: Spanien, Italien, Frankreich, Dänemark und Korsika waren dabei, aber auch die Nordsee und der Schwarzwald. Mit der Fahrt durch die Wüste gestern kann man also durchaus sagen, dass es sich um ein abwechslungsreiches Land handelt. Dabei ist die Strecke, die an der Küste entlang läuft und sich dabei um die Berghügel und an den Klippen vorbei windet wirklich atemberaubend! Und das hängt diesmal nicht mit meiner Höhenangst zusammen. Bei einem kleinen Zwischenstop haben wir übrigens sofort Gesellschaft von diese kleinen Küstenbewohnern gemacht:

Squirrel?

Hat jemand einen Ahnung um was es sich dabei handelt?

Freitag, 23:13 – San Francisco
Aus dem “bis 21:00h fahren wir noch” wurde dann eine Ankunft gegen 22:00 in San Francisco – natürlich ohne ein Hotel in der Hinterhand. Somit hatte Roxy, die nette Dame aus Los Angeles, mit ihrer Zeitangabe von 12 Stunden für die Fahrt ziemlich gut gelegen (wenn man die Pausen rausrechnet). Jedenfalls sind wir dann recht ziellos durch Downtown San Francisco gekurvt (die Giants hatten überflüssiger Weise auch noch ein Spiel) und haben ein Hotel gesucht. Nur gut das Roxy’s Freund mal hier gewohnt hat und uns dann doch noch ein bezahlbares Hotel empfehlen konnte. Somit ist auch dieses Kapitel gut ausgegangen und wir können jetzt todmüde in die Betten fallen.

Samstag, 17:04 – San Francisco
Teil Eins der touristischen Erkundungen ist abgeschlossen. China-Town, Little.Italy, Peer 39 und die obligatorische Fahrt mit einem Cable-Car liegen somit hinter uns. Und San Francisco ist wirklich eine schöne Stadt! Neben New York und Chicago zählt sie auch nicht ohne Grund zu den drei Städten in den USA, die ich mir schon immer mal anschauen wollte. Jetzt, da die Stadt einige Stunden ihren Charme auf mich wirken lassen konnte, kann ich auch gut verstehen warum Roland Austinat hierher gegangen ist – diese Stadt ist so vielseitig, so abwechslungsreich und dabei so charmant und freundlich das man sich schwerlich vorstellen kann einen schöneren Ort auf Erden zu finden. Daher werden wir die letzten Stunden bis zur morgigen Abreise noch damit verbringen die Golden-Gate Bridge und vermutlich auch Lands End noch einen Besuch abzustatten bevor wir unsere Koffer wieder zusammen packen und morgen früh zum Flughafen fahren.