3137 Tage zuvor: Der Preis des W√§hlens

Ich habe heute Morgen einen Preis an meine W√§hlerstimme geklebt. Einfach so. Ging auch sehr schnell. Um genau zu sein wurde mir der Preis f√ľr meine Stimme genannt, von der netten Dame bei der Post um die Ecke. Und, soviel sei gesagt, von seinem Recht zum W√§hlen Gebrauch zu machen ist alles andere als g√ľnstig. Was aber vor allem daran liegen d√ľrfte, dass ich die Briefwahlunterlagen erst jetzt, am Montag vor dem Wahlsonntag, absende. Woran wiederum die weniger freundlichen Leute bei einer andere Poststelle eine gewisse Mitschuld tragen. Aber das w√§re wieder eine Geschichte f√ľr sich.

Wenn ich Bettina Freitag vom ARD-Hauptstadtstudio Berlin glauben soll, h√§tte ich mir die Investition besser sparen sollen. Sie ist n√§mlich scheinbar der Ansicht, dass die Parteien die W√§hler-Interessen nur dann akzeptieren, wenn sie ihnen passen. Als Beispiel wird die Landtagswahl in Hessen dieses Jahr genannt, bei der keiner mit irgendwem koalieren wollte nur um nochmal erneut w√§hlen zu lassen. √Ąhnliches k√∂nnte sich wohl in Schleswig-Holstein wiederholen. So betrachtet w√§re allerdings das Ypsilanti-Gen wieder eine gute Sache – schlie√ülich wollte die werte Dame das beste aus dem W√§hlerwillen machen.

Mir als W√§hler gibt das, im Gegensatz zu Frau Freitag, weniger zu Denken als das Verhalten der Politiker selbst bei alledem. Und in diesem Punkt hat sie durchaus recht: Wie soll ich jemandem vertrauen f√ľr mich Entscheidungen zu treffen wenn er allem Anschein nach nicht vern√ľnftig mit seinen Konkurrenten umgehen, geschweige denn reden, kann? Mag sein, dass das alles nur Wahlkampf ist; das es eine Show f√ľr die W√§hler ist mit dem Versuch zu polarisieren, seine Standpunkte herauszustellen. Aber wenn dem so ist, bewirkt es bei mir eher das Gegenteil. Vielleicht meinte Norbert Lammert, amtierender Bundestagspr√§sident, ja genau dies, als er sagte das man sich nicht jeden Tag f√ľr Politik interessieren muss?

Wie dem auch sei, um in einer Demokratie etwas zu ver√§ndern muss man an Wahlen teilnehmen. Das gillt f√ľr das aktive Wahlrecht genauso wie f√ľr das passive, auch in Deutschland. Und wenn man √ľber den Tellerrand der Bundesrepublik hinausschaut stellt man doch auch schnell fest, dass $41,95 eigentlich kein hoher Betrag f√ľr ein St√ľck Demokratie sind.

3150 Tage zuvor: Land of the free

Joe Klein von der Time ist der Ansicht, dass die Republikaner Obama nur deshalb so harsch wegen einer Gesundheitsreform angreifen, um ihn zu beschädigen. Sehe ich ganz genauso. Doch was sich Jim Greer, immerhin Vorsitzender der Republikaner in Florida, geleistet hat ist wirklich unglaublich:

As the father of four children, I am absolutely appalled that taxpayer dollars are being used to spread President Obama’s socialist ideology. The idea that school children across our nation will be forced to watch the President justify his plans for government-run health care, banks, and automobile companies, increasing taxes on those who create jobs, and racking up more debt than any other President, is not only infuriating, but goes against beliefs of the majority of Americans, while bypassing American parents through an invasive abuse of power.

Es gibt einige Leute, die seinem Beispiel folgen und ihre Kinder heute nicht zur Schule geschickt haben. Kurzer Hintergrund: Obama wird heute eine Rede halten, die direkt an alle Sch√ľlerinnen und Sch√ľler dieses Landes adressiert ist. Er wird im Kern sagen, dass man zur Schule gehen und gute Leistungen erbringen soll:

I‚Äôm working hard to fix up your classrooms and get you the books, equipment and computers you need to learn. But you‚Äôve got to do your part too. So I expect you to get serious this year. I expect you to put your best effort into everything you do. I expect great things from each of you. So don‚Äôt let us down ‚Äď don‚Äôt let your family or your country or yourself down. Make us all proud. I know you can do it.

Immerhin sehen das diverse Medien genauso Haar-sträubend. Sogar die stille Grand Madame der Republikaner-Garde (4:30):

Ich werde mir die Rede um 12:00h mit der kleinen Sophia live anschauen – um ein kleines, stilles Signal f√ľr meine Kinder zu setzen.

3155 Tage zuvor: Gesundheitsreform in √úbersee

Fragt man sich nur noch, warum es da so eine riesige Diskussion dr√ľber gibt.

3517 Tage zuvor: Kleine Abhandlung zur Ironie

Juli Zeh in ihrem Essay Krieg und auch nicht in Spiegel-Ausgabe 34/2008, √ľber die Funktion von Ironie. Dort in Bezug auf den Umgang der Intellektuellen mit der Bundeswehr, aber das gilt auch ganz allgemein. Nicht nur in Bezug auf die √Ėffentlichkeit.

Wir ziehen uns Spott und Hohn wie einen Gummihandschuh √ľber, bevor wir das Thema anfassen, als k√∂nnte man sich schmutzig machen. Ironie schafft Distanz. Sie dient als Schutzschild gegen die Abwehrsysteme der √∂ffentlichen Meinung […] Ansonsten gilt: tarnen, t√§uschen, verpissen.

Das Essay in G√§nze ist √ľbrigens lesenswert. Vor allem, wenn man im Land der vermeintlich coolen und heroischen GIs verweilt.